[Review] “Interview” von Steve Buscemi

Beitrag von phil 12 - Juli - 2008

Drama
Originaltitel: Interview
USA 2007, 87 Minuten
Regie: Steve Buscemi
Darsteller: Steve Buscemi, Sienna Miller
Rating: ★★★★☆

Am 02.11.2004 wurde Theo von Gogh auf offener Straße von einem religiösen Fundamentalisten mit radikal-islamischem Hintergrund erschossen. Anlass dafür gaben dem Täter die Werke des Künstlers im Allgemeinen und der Film “Submission Teil 1″ im Besonderen.
Theo van Gogh war ein kontroverser und sehr kritischer niederländischer Autor und Regisseur, der mit “Submission Teil 1″ ein islamkritisches Werk veröffentlichte, welches sich vornehmliches mit Missbrauchserfahrung muslimischer Frauen beschfätigte und letztlich auch zu seinem Ableben führte.
Eines der letzten Werke, die van Gogh der Öffentlichkeit vorstellte, war im Jahr 2003 der Film “Das Interview”.

Nach seinem Tod entschlossen sich einige Hollywood Produzenten, dem Lebenswerk dieses europäischen Künstlers ein Denkmal zu setzen und engagierten sich für entsprechende Remakes der Werke van Goghs für den amerikanischen Raum – sprich: Hollywood. Klingt im ersten Moment nach Vermarktung, teuren Spezialeffekten und viel heißer Luft, aber wer sich das Remake von “Interview” unter der Regie und dem Mitwirken von Steve Buscemi (“The Big Lebowski”, “Fargo”, “Pulp Ficiton”, “Reservoir Dogs” u.v.m.) anschaut, wird definitiv eines besseren belehrt.

Die Story kurz zusammengefasst: Ein Journalist (Steve Buscemi) , der vornehmlich politische Themen recherchiert und in Krisengebieten eingesetzt wird bekommt den Auftrag eine junge, gutaussehende, aber in den Augen des Journalisten diletanttische Schauspielerin (Sienna Miller) zu interviewen. Der Journalist ist schlecht vorbereitet und verärgert die Schauspielerin mit lustlosen Fragen, was zunächst zum Abbruch des Interviews führt. Wie es der Zufall allerdings so will finden sich beide kurze Zeit später im Appartment der Schauspielerin wieder…

Aus dieser Grundkonstellation entwickelt sich ein geniales Kammerspiel, in der beide Charaktere eine Art Hassliebe zueinander entwickeln und diese in ihren verbalen Duellen auf sehr unterschiedliche Art und Weise ausleben. Der Journalist fühlt sich der Schauspielerin zunächst geistig überlegen und geniert sich auch nicht, dies offen zu zeigen. Dennoch schafft es die Schauspielerin immer wieder, ihn mit ihren schauspielerischen Künsten zu verwirren, aus der Reserver zu locken oder zu manipulieren. Es entsteht ein interessantes Psycho-Duell zweier genialer Protagonisten, wobei der Zuschauer nie weiß, wer am Schluss die Oberhand behalten und als Sieger aus diesem nur scheinbar ungleichen Duell hervorgeht. Kann es überhaupt einen Sieger geben?

Wer auf Arthaus-Kino steht, langen Dialogen nicht abgeneigt ist und Steve Buscemi vor allem als Charakterschaupieler toll findet und nicht allein wegen seiner mannigfachen Auftritte in diversen Tarrantino und Coen Filmen, dem sei dieses Werk wärmstens empfohlen.

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