Stuttgart, 17.07.2008, kurz vor 21 Uhr:
Eine kleine und relativ überschaubare Zahl Mitbürger versammelt sich vor und im Stuttgarter “Schocken”, um die Red Sparowes zu sehen. Noch ist es einige Zeit hin, bis die Band zu spielen beginnt. Also wird sich die Zeit mit Bier trinken, dem Kaufen von Merchandising Artikeln und dem Begutachten des Publikums vertrieben. Langsam füllt sich der Laden dann doch…
Zur Band:
Red Sparowes spielen rein instrumentale und experimentelle Rock-Musik, haben ausschweifende Songs von teilweise bis zu 20 Minuten Länge und ebenso lange Songtitel. Ein Beispiel? Bitteschön, wie wäre es denn mit
“Finally As That Blazing Sun Shone Down Upon Us Did We Know That True Enemy Was The Voice Of Blind Idolatry; And Only Then Did We Begin To Think For Ourselves”
oder
“We Stood Transfixed In Blank Devotion As Our Leader Spoke To Us, Looking Down On Our Mute Faces With A Great, Raging, And Unseeing Eye”.
Klingt ausufernd und genauso darf man sich auch die Musik von Red Sparowes vorstellen. Im Fachjargon nennt man die Musikrichtung Post-Rock, wobei neben progressiven und experimentellen auch vereinzelte Metal Elemente zu hören sind. Mit Sicherheit also keine Musik für’s Radio und schon gar nicht für die Charts. Wer allerdings mit Begriffen wie “Wall of Sound” etwas anfangen kann, daran gefallen findet und sich in komplexen Songstrukuten mit langen Spannungsbögen verlieren will, der ist hier genau richtig.
Stuttgart, um 21:30 bzw. kurz davor oder danach (wer weiß das schon):
Red Sparowes beginnen mit ihrem Konzert und das ist in der Tat von Anfang an sehr beeindrucken. Band und Publikum machen den Eindruck als würden sie sich langsam aber sicher in eine Art Trance-Zustand begeben. Der Autor dieses Artikels ist mittendrin und macht es ihnen gleich. Die Musik ist laut (vielleicht etwas zu laut), verstörend, düster, komplex und vor allem faszinierend. Verstärkt wird dieser Eindruck durch das Abspielen von ebenso düsteren und verstörenden Videos. Alle gezeigten Bilder sind in vergrieseltem schwarzweiß gehalten und zeigen Aufnahmen von Kriegsopfern, Diktatoren, Bäumen, die auf einen Schlag alle ihre Blätter verlieren und atemberaubenden Naturaufnahmen. Die faszinierenden und erschreckenden Bilder wechseln sich dabei regelmäßig ab. Als Zuschauer ist man ständig zwischen diesen beiden Extremen hin- und hergerissen, wobei die Grenzen dazwischen oftmals zu verschwimmen beginnen.
Auch ohne Gesang, ohne Eingängigkeit und vor allem ohne echte Hits schafft es die Band, sein Publikum von Anfang bis zum Ende mit Ihrer Performance zu fesseln. Lediglich die Lautstärke treibt den einen oder anderen Konzertbesucher nach draußen, was jedoch kein echtes Manko ist, denn wer das “Schocken” kennt, der weiß, dass man draußen fast genauso viel hört wie drinnen. Nur eben in akzeptabler Lautstärke.
Stuttgart, irgendwann kurz nach 23 Uhr:
Ende des Konzerts. Alle gehen zufrieden nach Hause. Was bleibt ist ein fesselndes musikalisches und visuelles Erlebnis, sowie der Kauf eines Bandshirts als ständige Erinnerung daran. Nur der letzte Schritt zur Genialität, der hat leider noch gefehlt.
Rating: 




