Dämonen-Snack für Abends

Beitrag von chrisch 13 - August - 2008

Es gibt sie immer noch, die kleinen Titel in der Spielebranche, die sich neben dem dröhnenden Mainstream in ruhigeren Verwirbelungen finden lassen. Verglichen mit dem Werberummel, der von den langen Reihen an SciFi-/Fantasy-Echtzeitstrategie oder den Shooter-Kolonnen aller vergangener und gedachter Militärepochen ausgeht, wundert es uns beinahe, dass sie überhaupt bestehen können.

Ein solcher Titel ist Daemonica, den wir jüngst zu unserem bewährten Experimentenpreis von rund 10€ erstanden haben. Die Geschichte dreht sich um den übersinnlich begabten Nicholas Farepoynt, der sich im England des dunklen Mittelalters auf Verbrecherjagd begibt. Was ihn dabei erfolgreich macht, ist seine Fähigkeit, mit jüngst Verstorbenen reden zu können, indem er giftige Tränke schluckt und sich mit einem magischen Ritual an die Grenze zwischen Leben und Tod begibt. Das ist ehrbaren Bürgern selbstverständlich suspekt, zumal er sich dazu immer mit frischen Leichen in einen Keller oder Ähnliches zurückziehen muss. Zusammen mit den gefühlsdämpfenden Mixturen hat dies den guten Nicholas zu einem Zyniker gemacht, der der Welt zwar Gutes tut, den aber dennoch niemand zum Abendessen einladen möchte. Die Parallelen zu Sapkowski’s Hexer Geralt sind zweifelsohne gegeben. Daemonica lässt den Spieler nun in die Ermittlung eines Falles eintauchen, der sich selbstverständlich als größer entpuppt als anfangs gedacht.

Spielerisch ist Daemonica ein gemütliches stimmungsvolles Actionadventure. Wobei die Action darin besteht, dass sporadisch mit diversen Einwohnern oder Monstern gefochten wird; dies beschränkt sich aber nur auf Duelle, bei denen beide Seiten mit abwechselnd blocken oder zuschlagen und bei denen es auf Timing ankommt. Spätestens hier ist jeder Diablo-Zocker schon vom Schirm geflüchtet (waaas, Kämpfe und und kein XP-Skill-Tree!?).

Der Löwenanteil entfällt auf das Befragen der Ortsansässigen und Auffinden von Beweismitteln. Zusätzlich müssen hin und wieder Kräuter für Heil- oder sonstige Tränke gesucht werden, aber da einen die Geschichte ohnehin kreuz und quer durch das kleine Städtchen Cavorn jagt, muss man einfach nur jedes Kraut einstecken, das man sieht, und schon passt’s. In weiser Voraussicht haben die Entwickler im Optionsmenu einen Schalter für ‘Dauerrennen’ untergebracht.

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Das beschauliche Cavorn sieht ein wenig so aus, wie man sich Tristram mit heutigen Grafikmitteln denken könnte. Zumal in beiden Örtchen immer so etwas zwischen Abenddämmerung und Nacht herrscht, und das, obgleich sich Herrn Farepoynts Ermittlung über mehrere Spieltage erstreckt. Die Schrägsichtkamera ist zwar vom Winkel und Zoom her stark eingeschränkt, dafür lässt sie sich frei drehen. Insgesamt ist die Grafik stimmungsvoll und unterstützt das Spiel sehr gut – eingefleischte Polygon und Texturzähler werden sie allerdings langweilig finden, aber die gehören eindeutig auch nicht zur Zielgruppe des Spiels (waaas, nur 30 fixe Lebenspunkte und keine Set-Gegenstände!?).

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Sowieso ist das Spiel stark textlastig. Nur einige zentrale Dialoge und die erzählerischen Zwischensequenzen werden von Synchronsprechern begleitet. Nicholas hat sogar denselben ausgezeichneten Sprecher, der auch Howard E. Loreid aus dem hervorragenden Titel Darkness Within seine Stimme geliehen hat – den Namen konnten wir bisher leider nicht ergoogeln. Zusätzlich unterstreicht die Musik die allgemeine Grundstimmung des Spiels sehr gut und liegt freundlicherweise sogar in Form von WMA-Dateien im Installationsverzeichnis.

Fazit: Daemonica ist hervorragend geeignet, um Abends ein oder zwei gepflegte Stunden finsteren Machenschaften auf der Spur zu sein. Das setzt allerdings voraus, dass der geneigte Spieler ein Faible für diese Art von Geschichten hat und zugunsten von Atmosphäre auf hohen spielerischen Anspruch verzichten kann, den hat Daemonica nämlich nicht zu bieten. Für 10€ auf jeden Fall ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

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Ein Kommentar zu “Dämonen-Snack für Abends”

  1. phil sagt:

    Ganz interessant, aber würde mich jetzt nicht dazu bewegen, es anzutesten. Obwohl… mal schaun. Vielleicht steh ich ja eines Tages auch vor einem dieser Spielepyramiden und erinner mich an dein Review. :-)

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