The Bright Side of Cthulhu

Beitrag von chrisch 20 - August - 2008

Endlich aus Fernwest angeliefert, endlich ausgepackt und endlich gesehen: der neue alte Stummfilm “The Call of Cthulhu”, der die gleichnamige Kurzgeschichte des Herrn Lovecraft adaptiert. Wir haben uns dem 47minütigen Schrecken der Monochromie gestellt und ihn als sehenswert befunden.

Wie fast alle von Lovecraft stammenden Geschichten hat auch der Film den Charakter einer großen Rückblende. In diesem Fall sind es die Nachforschungen des Hauptcharakters Francis Wayland Thurston, dem von seinem verstorbenen Großonkel George Gamell Angell ausführliche Berichte über den Kult des Cthulhu hinterlassen werden. Francis selbst führt, von derselben morbiden Begierde angetrieben wie die anderen Hauptfiguren in Lovecrafts Geschichten, die Ermittlungen fort, bis ihn das Grauen überwältigt. Seine letzte Handlung besteht darin, in einer Rahmenhandlung des Films einem psychatrischen Gutachter all seine Erkenntnisse zu schildern mit der inständigen Bitte, sie zu vernichten und der Nachwelt das gnädige Dunkel des Vergessens zu gewähren.

Über die erzählerischen Einzelheiten der Geschichte soll hier nichts Weiteres gesagt sein, da sie einerseits sicherlich in anderen Reviews ausführlich genug beschrieben sein wird und da es unserer Meinung nach wichtiger ist zu erwähnen, was den Film weshalb gut macht.

“The Call of Cthulhu” ist für den Autor dieses Reviews ein Film mit Startschwierigkeiten gewesen, denn der Stummfilm beginnt zur Überraschung ziemlich laut, oder besser gesagt: einen Tick zu aufdringlich. Gemeint ist damit die Musik, die – passend zur theatralischen Gestik der Akteure – den Film fast durchgehend unterlegt. Dadurch entsteht eine bemerkenswerte Unruhe während des gesamten Films, wie sie für echte Filme aus dieser Zeit nicht typisch sind. Allerdings gibt sich das nach den ersten 10 Minuten wieder, weil der Film sich danach mehr Zeit für Einstellungen lässt, die Musik ruhiger wird und man nach dem ersten Erstaunen seine Seh- und Hörgewohnheiten an das Format anpasst.

Optisch gesehen ist der Film eine interessante Mischung. Er erinnert durch künstliche Unschärfe und Bildfehler an die Vorlagen aus den 1920ern, aber die Ausleuchtung der Szenen und die Kameraeinstellungen wirken moderner. Wir vermuten, dass es in den Originalen auch nicht so viele Kamerafahrten oder rasche Perspektivenwechsel gibt wie in diesem Film.

Die eingesetzten Kulissen sind durchgehend wunderschön, und sie spiegeln den Erfindungsreichtum der Crew gut wider. Die Aufnahmen des Kutters auf hoher See (ein Modellschiff vor einem sternenübersäten Papphintergrund und hinter drei Bahnen wogender dunkler Stofftücher als Ozean) oder die Darstellung der wiederaufgetauchten Stadt R’lyeh (ein kubistisches Labyrinth aus runenverzierten Steinquadern) sind schlicht Dinge, die dem Zuschauer als Bilder im Gedächtnis bleiben.

Die Schauspielerei trägt dazu ebenfalls bei. Durch den Wegfall der Dialoge und Farben entfällt zwangsläufig ein Großteil der Aufmerksamkeit auf die Mimik und Gestik der Schauspieler, was an sich schon eine angenehme Abwechslung zu Hollywood ist und mehr an Theater erinnert, aus dem die Filme hervorgegangen sind. Wer beispielsweise in den verschiedenen Szenen Francis’ stets besorgtes und verkniffenes Gesicht beobachtet, wird das feststellen können. Erfreulicherweise ist die Leistung der Akteure gut bis hoch und abgestimmt auf das Format. Über die sparsamen Dialoge waren wir auch deshalb froh, weil die eingeblendeten Texttafeln doch recht schnell wieder ausgeblendet werden und daher schnelles Lesen angesagt ist. Ob deren Inhalt übrigens direkt der Kurzgeschichte entstammt, können wir leider nicht sagen, jedenfalls klingen sie danach.

Nach dem vollen 47 Minuten ist es schade, dass es nicht mehr gibt. Eine kleine Entschädigung ist das wirklich witzige Bonusmaterial, bei dem die Produzenten des Films die schrägen Dinge um die Sets herum erläutern. Beispielsweise, wie im Garten des Hauptdastellers 5 Meter hohe Pappquader als begehbare R’lyeh-Kulisse aufgestellt wurden, wie überall im Film “Cthulhu-Ninjas” im schwarzen Hintergrund stehen, um unerwünschte Lichtquellen mit einem schwarzen Tuch zu verdecken, oder dass die Szene, die ein archäologisches Archiv darstellt, eigentlich in einem Porno-Shop gedreht ist – und die zahllosen Pappkisten in den Regalen ganz andere urzeitliche Dinge enthalten… Auch die Farbaufnahmen der Kulissen sind verblüffend, weil Letztere in Schwarzweiß komplett anders wirken, ebenso wie die in Farbe deutlich überschminkten Darsteller, deren Maske dagegen im Film selbst hervorragend passt.

Kurzum gesagt: “The Call of Cthulhu” ist ein Film, dem man die Hingabe seiner Macher an die Materie und die Idee deutlich anmerkt. Unseres Erachtens ist er sowohl für Mythosanhänger empfehlenswert als auch für jeden , der über seinen Blockbuster-Schatten springen kann. Im Bonusmaterial wird sogar angekündigt, dass die Truppe auch die Verfilmung des “Flüsterers im Dunkeln” plant; auch dies werden wir uns nicht entgehen lassen.

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4 Kommentare zu “The Bright Side of Cthulhu”

  1. phil sagt:

    hehe, ich hab die dvd auch seit ein oder zwei wochen zuhause rumfliegen, bin aber bisher noch nicht dazu gekommen, sie mir anzuschauen.
    werd ich aber in den nächsten tagen definitiv noch machen und dann gibt’s review #2 …das wird bestimmt interessant

  2. phil sagt:

    Also ich hab mir den Film jetzt endlich auch mal angeschaut und bin im grunde vollkommen deiner Meinung was Qualität, Ausstattung etc. angeht. Ein sehr sehr nettes Teil. das war seinen Preis in jedem Fall wert und wird mit Sicherheit bald nochmal angeschaut :-)

    Am besten gefallen hat mit die Einstellung mit den Kultisten im Wald, als die Polizisten die Lichtung erreichen und diese groteske Zeremonie beobachten.

  3. [...] bislang unter unsere untoten Augen gelangt ist. Vor einige Wochen hatten wir bereits ausführlich über den schwarzweiß Stummfilm “The Call of Cthulhu” berichtet, der von der Gesellschaft mit Hilfe von Laiendarstellern produziert wurde. In der Zwischenzeit war [...]

  4. [...] Beginn unserer Zeit als kleines Mashup-Blog hatten wir mehrfach auf den exzellenten Stummfilm “The Call of Cthulhu” der H.P Lovecraft Historical Society hingewiesen. Nach dem Erfolg der Low-Budget Fan-Produktion war es natürlich nur eine Frage der [...]

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