Comic-Kritik: Sandman #1 – Präludien & Notturni

Beitrag von phil 26 - September - 2008

Wie bereits angekündigt, werden wir in den kommenden Tagen und Wochen die ersten 5 Bände der Sandman-Reihe rezensieren – sozusagen als kleiner Vorgeschmack auf Band 6 der am 10.10.2008 erscheinen soll. Die 10 Bände sind zwar bereits vor vielen, vielen Jahren schon einmal erschienen, wurden allerdings nochmals digital überarbeitet und neu übersetzt. Die Neu-Übersetzung soll sogar besser sein, als beim ersten Versuch. Allerdings fehlt uns hierfür die Vergleichsmöglichkeit, so dass wir gezwungen sind, dieses Gerücht im Raum stehen zu lassen. Der geneigte und fachkundige Leser darf uns also gerne berichtigen, wenn dem nicht so sein sollte.

Sandman 1: Präludien & NotturniDer erste Band beginnt mit einer Geschichte aus dem Jahre 1916. Ein Orden wohlhabender und einflussreicher Gestalten versucht in einem komplizierten Ritual, den Tod zu beschwören und festzuhalten, ruft jedoch fälschlicherweise Dream, den Herrscher über die Traumwelt, herbei. Seiner mächtigen Artefakte beraubt und durch Magie gebannt bleibt er über viele Jahrzehnte hinweg ein Gefangener des Ordens, harrt Schweigend der Dinge, die da kommen und wartet geduldig auf einen Fehler seiner Häscher, eine Gelegenheit zu entkommen. In der Zwischenzeit häufen sich in der Welt der Menschen die merkwürdigen Begebenheiten. Leute schlafen ein und sind in ihren Träumen gefangen. Manche erwachen nach Jahren kurzzeitig, um kurz danach wieder einzuschlafen. Sie wissen nicht, dass sie teilweise bereits mehrere Jahrzehnte geschlafen haben. Eine junge Frau ruft nach ihrer Mutter, da sie sich immer noch für 8 Jahre alt hält. Ein Mann erwacht nach 13 Jahren und spricht kein Wort mehr…

Diese kurze Zusammenfassung bildet jedoch lediglich den Anfang der Geschichten um den Sandman, Dream, Morpheus oder wie auch immer er gerade genannt wird. Natürlich entkommt er über kurz oder lang seinen Wächtern und sieht anschließend einen großen Haufen Arbeit und vor allem Ärger vor sich. Die geraubten Artefakte bündeln einen Teil seiner Macht und ohne sie sieht er sich eines Großteil dessen beraubt. Er macht sich also auf die Suche danach, denn nebenbei haben sich in seiner Abwesenheit die Machtverhältnisse in den verschiedenen Welten stark verändert und es ist seine Aufgabe diese wiederherzustellen: Emporkömmlinge streiten sich um die Nachfolge im Traumreich und stürzen die Zwischenwelt ins Chaos. Träume verschwinden aus dem Reich und nisten sich, wie kleine Schmarotzer, im Bewusstsein einzelner Menschen ein. So muss Morpheus wortwörtlich durch die Hölle gehen, um einen Teil seiner Artefakte wiederzuerlangen, muss sich dabei einem Dämon in einem Duell ganz außergewöhnlicher Art stellen und sieht sich immer wieder gezwungen in die Geschehnisse der Menschen einzugreifen. Zu dicht sind diese mit seiner Welt verbunden und zu sehr kreuzen andere Wesen mit mannigfachen Interessen seinen Weg…

“Präludien & Notturni” ist von vorne bis hinten einfach grandios. Die Geschichte(n) fesseln von der ersten Seite an und lassen einen bis zum Schluss nicht mehr los. Sandman ist düster, philosophisch, (zuweilen) brutal, faszinierend, an- und abstossen zugleich. Den Höhepunkt und Abschluss des ersten Bandes stellt der Teil dar, indem das Wesen, welches Morpheus’ mächtiges Artefakt in seine Finger bekommen hat, ein 24-Stunden-Diner betritt und die daraus resultierenden Ereignisse. Mehr soll dazu an dieser Stelle nicht verraten werden.

Das Problem bei Sandman ist eigentlich nur der Hype darum. Überall hört man lediglich positive bis überschwengliche Kritiken, was einen schon im Vorfeld dazu verleiten mag, dem ganzen skeptisch gegenüberzustehen. Denn mal ehrlich, wie oft wurde man bereits von einem solchen Hype in Beschlag genommen um dann anschließend herauszufinden, dass alles nur heiße Luft war. Wir können an dieser Stelle jedoch Entwarnung geben. Sandman ist genau das, was es vorgibt zu sein und tatsächlich so brillant, wie immer geschrieben wird. Neil Gaiman beweist mit dem ersten Band ein erstaunliches Talent für Geschichten, die Zeichnungen sind bis auf wenige Ausnahmen sehr stimmig und die deutsche Übersetzung lässt für unseren Geschmack auch keine Wünsche offen. Das macht Lust auf mehr und bildet den Grundstein für ein Werk mit epischen Ausmaßen. Wir kommen also diesmal nicht darum herum, die Höchstwertung zu vergeben. Übrigens zum ersten Mal seit es uns gibt. Ein Meisterwerk!

Rating: ★★★★★

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