Filmkritik: Dante 01

Beitrag von phil 28 - September - 2008

Dem einen oder anderen Leser mögen vielleicht die Filme Delicatessen oder Die Stadt der verlorenen Kinder ein Begriff sein. Diese Filme haben einiges gemeinsam, denn sie sind nicht nur verstörend und werden von einer düsteren Optik, sowie skuriller wie auch absonderlicher Charaktere getragen, sondern sind beides Werke des französischen Regisseurs Marc Caro. Im Jahre 2008, nach über 10 Jahren der Abstinenz, kehrt Caro wieder als Regisseur und Autor auf die Leinwand (oder besser gesagt dahinter) zurück. Dante 01 lautet der Titel seines neuesten Werkes, welches vordergründig als Science-Fiction-Thriller bezeichnet werden kann und vor Kurzem hierzulande auf DVD erschienen ist.

Dante 01

In der Umlaufbahn eines unwirtlichen Vulkanplaneten kreist die Raumstation Dante 01 – ein Gefängnis für die gefährlichsten Verbrecher der umliegenden Welten. Sie dienen als Versuchskaninchen für obskure psychiatrische Experimente. Als der Gefangene Saint Georges, der als einziger die Begegnung mit einer unbekannten außerirdischen Zivilisation überlebt hat, in den Hochsicherheitstrakt eingeliefert wird, geraten die Zustände mehr und mehr außer Kontrolle. Der Neuankömmling scheint über ganz spezielle Talente zu verfügen und löst eine Revolte aus.

Optisch orientiert sich der Film sehr stark an den beiden Vorgängerfilmen des Regisseurs und wer Delicatessen oder Die Stadt der verlorenen Kinder gesehen hat, wird die Handschrift des Regisseurs auch sofort wiedererkennen. Gerade Kameraeinstellungen und Maske stehen an dieser Stelle stark charakteristisch für die Arbeiten von Caro. Weiterhin lässt sich eine gewisse visuelle Parallele zu den Alien Filmen feststellen, was unter anderem durch die klaustrophobische Enge der Raumstation hervorgerufen wird. Erfrischend, denn allzu häufig wird einem soetwas heutzutage nicht mehr geboten.

Die Schauspielerische Leistung der Darsteller ist solide, aber nicht überragend. Die Geschichte und deren Dramaturgie ist gehobener Durchschnitt. Musik und Effekte fallen auch nicht übermäßig positiv oder negativ aus. Alles in Allem also ein recht durchschnittlicher Film, sollte man meinen. Dem müssen wir allerdings widersprechen, denn der wer den Film aufmerksam verfolgt, der wird feststellen, dass die Geschichte auf mehreren Ebenen funktioniert und dabei leicht in eine Richtung tendiert , wie sie auch bereits von The Fountain vorgegeben wurde. Okay, dieser Vergleich wirkt oberflächlich betrachtet weit hergeholt und wirklich erklären lässt er sich in der Kürze der Zeit auch nicht, aber irgendwie fühlt man sich dennoch daran erinnert. Das Ende des Films wirft ebenfalls Fragen auf und zeigt nochmals die verschiedenen Deutungsmöglichkeiten der Geschichte. Auch hier wird man an einen anderen Klassiker der Science-Fiction erinnert: 2001 – Odyssee im Weltraum. Besser gesagt, die Ecstasy-Variante von 2001. Mehr wollen wir dazu jedoch nicht verraten.

dante01_scene_01.jpg
dante01_scene_21.jpg
dante01_scene_25.jpg

Fazit: Dante 01 ist düster, verstörend, mysteriös, bedeutungsschwer und erinnert an Zeiten, in denen noch gute Science-Fiction Filme gedreht wurde. Der Film ist nicht in jeder Szene 100% gelungen und die meisten Kritiker im Netz mochten ihn nicht sonderlich. Wir wiederum halten ihn für eine Perle, deren Glanz man oftmals erst erkennt, wenn man bereit ist, genauer hinzuschauen. Dante 01 ist mit Sicherheit kein Film für Zwischendurch, sondern eher was für Genrefans oder Freunde der Werke von Marc Caro. Diejenigen sollten allerdings in jedem Fall zugreifen.

Rating: ★★★½☆

Einem externen Dienst hinzufügen:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • email
  • LinkArena
  • LinkedIn
  • Live
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • MySpace
  • Print
  • Reddit
  • Slashdot
  • StumbleUpon
  • Technorati
  • Tumblr
  • Wikio
  • Yigg

Ein Kommentar zu “Filmkritik: Dante 01”

  1. chrisch sagt:

    Ich mag Caro sehr, und die Alien-Filme sowieso. der Typ in Lila sieht auch noch aus wie aus einer Wing-Commander-Sequenz. Diesen Film werde ich demnächst konsumieren; vielen Dank für das appetitanregende Review :)

Schreibe einen Kommentar

Anzeigen