Comic-Kritik: Fables #4 – Die letzte Festung

Beitrag von phil 8 - Oktober - 2008

Eigentlich hatten wir angekündigt, momentan verstärkt die bisher erschienen Ausgaben der Sandman-Reihe zu besprechen. Aus diversen Gründen verschiebt sich das jedoch derzeit dauernd nach hinten, weswegen wir an dieser Stelle über einen weiteren Band von Fables schreiben werden. Zu Sandman werden wir in Kürze allerdings auch noch kommen. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Fables - Die letzte FestungZurück zu Fables und deren 4. Band “Die letzte Festung”, der sich verstärkt mit der Geschichte der Fables, genauer gesagt deren Vertreibung aus ihrer Heimat während des großen Krieges, auseinandersetzt. Im Mittelpunkt der ersten Hälfte dieser 120 Seiten steht der Fable mit dem Namen Blue Boy, der dem englischen Kinder-Reim “Little Blue Boy” entstammt. Ausgangspuntk der Geschichte ist eine Gedenkfeier zu Ehren derjenigen, die ihr Leben gelassen haben, damit die letzten überlebenden Fables ihre Welt wohlbehalten verlassen konnten. Blue Boy erzählt rückblickend seinen Part dieser dramatischen Geschichte. Das klingt im ersten Moment nicht sonderlich spannend, allerdings haben die Geschehnisse aus der damaligen Zeit direkte Auswirkungen auf die Handlung im zweiten Teil des Bandes…

In der Gegenwart trifft – völlig unerwartet – ein totgeglaubter Fable in Fabletown, während zudem erste Kreaturen des Feindes in der Welt der Normalos auftauchen. Nebenbei werden die bisherigen Handlungsstränge konsequent weitergeführt: Prinz Charming hat sich die Besitztümer von Bluebeard angeeignet und strebt weiter nach Macht und Einfluss in Fabletown. Bigby Wolf vermutet einen Spion des Feindes in den eigenen Reihen und versucht der Sache auf den Grund zu gehen. Gestalten in schwarzen Anzügen und dunklen Sonnenbrillen, die etwas an die Agenten aus Matrix erinnern, tauchen auf und versuchen bestimmte Gegenstände in ihre Gewalt zu bringen und und und…

Neben der großen Rückblende, die – wie bereits erwähnt – einen großen Teil des 4. Bandes ausmacht, ist “Die letzte Festung” geprägt von vielen kleinen Storylines, die lediglich erahnen lassen, wozu das alles in den kommenden Ausgaben führen wird. Dadurch wirkt die Handlung etwas auseinander- bzw. nur kurz angerissen, was letztlich dazu führt, dass das Niveau der drei vorhergehenden Ausgaben nicht ganz gehalten werden kann. Im Grunde lässt sich das verschmerzen, denn als Leser spürt man ganz eindeutig, dass hier die Figuren (wie in einem großen Schachspiel) in Position gebracht werden. Das macht natürlich Lust auf mehr.

Fazit: “Die letzte Festung” ist bislang der schwächste Teil der Serie, wobei man damit immer noch weit über Durchschnitt rangiert. Wer sich schon bis hierher für Fables hat begeistern können, der kommt auch um Band 4 nicht herum, da hier die Voraussetzungen für alle weiteren Bände und deren Handlungsstränge geschaffen und viele Fragen aufgeworfen werden. Als Leser hat immer das Gefühl, sich in einer sich ständig wandelnden Welt ohne festgefahrene Charaktere zu bewegen. Fables ist und bleibt damit im Rahmen seines Genres, der Charaktere, Handlungen und Wendungen (zumindest bislang) immer glaubwürdig und spannend.

Rating: ★★★½☆

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