The Fountain – Review

Beitrag von chrisch 19 - Oktober - 2008

Ein treffendes Review über diesen Film zu schreiben ist schwierig. Zu dem Zeitpunkt, als ich auf diesen Film gleich von mehreren Seiten aufmerksam gemacht wurde, war er schon zwei Jahre alt und bereits vielfach gelobt. Und nachdem ich ihn zweinal gesehen habe, kann ich dem Lob größenteils zustimmen.

Worum gehts? Auf die bloße Handlung reduziert: der Forscher Tom Creo versucht unerbittlich, ein Heilmittel gegen den Tumor zu finden, der das Leben seiner Frau Izzy bedroht. Diese Geschichte ist verwoben mit zwei weiteren parallelen Handlungssträngen, die ein Abbild dieses Geschehens sind. Eine davon handelt im Spanien bzw. im Mittelamerika des 16. Jahrhunderts, wo der Conquistador Tomas im Auftrag seiner Königin Izabella den Baum des Lebens finden soll, um den Tod zu besiegen. Die andere spielt in einer transzendentalen Zukunft, in der Thomas zu dem Sternennebel reist, den die Maya als das Totenreich Xibalbá betrachteten. Dort will er Izzy, die für ihn in einem Baum weiterlebt, zur Wiedergeburt verhelfen.

Die gesamte Erzählung ähnelt einem Traum, der fortwährend mit Symbolen durchsetzt ist, die wiederum ineinander fließend übergehen und Übergänge zwischen den einzelnen Handlungssträngen bilden. Die Symbolik – aufgrund ihrer Aussagen zu Leben und Tod stark religiös – und deren ganzheitliche Umsetzung in Bild und Ton sind das entscheidende Merkmal, das den Film einprägend und unvergesslich macht. Konsequenterweise lässt er dem Zuschauer auch die Freiheit zu interpretieren, ob den nun die einzelnen Geschichten real sind oder nur die Träume der jeweils anderen Personen. Oder ob das letztendlich für die gewonnene Erkenntnis überhaupt wichtig ist.

Die Aussagen selbst sind keine sonderliche Neuerungen. Wem das zu respektlos erscheint: die zentralen Botschaften des Respekts vor dem Tod, der Überwindung des Todes durch die Überwindung des Lebens oder der ewigen Erneuerung sind allesamt schon im Buddhismus und Hinduismus enthalten – und die sind immerhin älter als das Christentum. Und auch The Fountain ist beileibe nicht der erste Film, der sich damit auseinandersetzt. Dafür haben wir die Botschaft, dass das aggressive Streben der westlichen Zivilisation nach Unsterblichkeit – oder allgemeiner: Perfektion – nur scheitern kann, schon viel zu oft gesehen, gehört, gelesen.

Viel wichtiger ist die Erzählung an sich, die dem Film eigentlich zu einer philosophischen Betrachtung macht und auch oft meditative Ruhe ausstrahlt, indem er den einzelnen Einstellungen viel Zeit einräumt und eine phantastisch gute musikalische Untermalung zuläßt. Wer ihn sich nur mal schnell zwischen Tür und Angel ansehen will, sollte sich lieber einen anderen Film wählen, denn es wäre schade um den ersten Eindruck.

Und davon abgesehen ist die schauspielerische Leistung von Hugh Jackman und Rachel Weisz hervorragend. In den Dialogen kommt viel mehr Ausdrucksstärke zum Vorschein, als ich das von Filmen gewohnt bin. An dieser Stelle muss ich leider eine Aussage treffen, die sonst von Kennern (oder Leuten, die sich dafür halten) oft viel zu schnell getroffen wird: “Vergesst die deutsche Tonspur, da geht generell immer viel zu viel verloren”. Hier allerdings absolut zutreffend, da wurde offenbar ohne groß nachzudenken in die Sprecherkiste gegriffen. Auf Deutsch klingt der Film wie ein 0815-Blockbuster, was mich dermaßen gestört hat, dass ich den Film nochmal von vorne auf Englisch geschaut habe.

Was mir unabhängig von der Sprache auffiel, war eine teilweise unnötige Überbetonung in Symbolik oder Gestik. Die innere Zerrissenheit von Tom wäre beispielsweise auch dann klar, wenn er nicht zweimal im Film demonstrativ weinend Einrichtungsgegenstände umherwerfen würde. Aber diese unnötigen Dinge sind lediglich Kleinigkeiten in Vergleich zu dem, was der Film wirklich gut macht.

Fazit: Wer gerne tiefsinnige Filme sieht und ein Faible für nicht-lineare Erzählungen hat, wird den Film lieben. Allerdings sollte man ihm genug Zeit einräumen, um ihn wirken zu lassen. Und zweimal sehen.

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Ein Kommentar zu “The Fountain – Review”

  1. phil sagt:

    obwohl ich dir den film ja bereits empfohlen hatte, macht dein review richtig lust, ihn nochmal anzuschauen. :-)

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