Filmkritik: Mirrors

Beitrag von phil 27 - Oktober - 2008

MirrorsMirrors ist auf den ersten Blick eines jener unsäglichen Remakes asiatischer Horrorfilme, die seit drei oder vier Jahren aus Hollywood über uns hereinbrechen. Allerdings nur im ersten Moment. Wo Filme, wie The Grudge und Dark Water völlig baden gehen und bei The Ring lediglich der erste Teil überzeugen kann, schickt sich der Franzose Alexandre Aja an, diese schier unumstößliche Regel des Versagens zu brechen. Betrachtet man die bisherige Vita des Regisseurs, so bestehen auch berechtigte Hoffnungen, dass Mirrors mehr als eine Bauchlandung werden kann, denn mit High Tension und The Hills Have Eyes konnte er schon beachtliche Erfolge abseits des Mainstreams erzielen. Zur Geschichte…

Ben Carson (Kiefer Sutherland) steckt in einer schweren Krise. Nach dem Tod seines Partners sucht der Ex-Cop Zuflucht in Alkohol und Medikamenten – was ihn schließlich auch noch seine Frau (Paula Patton) und seine Kinder (Cameron Boyce und Erica Gluck) kostet. Schwer gebeutelt entsagt Ben dem Alkohol und nimmt einen Job als Nachtwächter im baufälligen Mayflower Building, einem ehemaligen Luxuskaufhaus, an. Doch schon in seiner ersten Nacht scheinen seine Sinne ihm einen Streich zu spielen. Ben hört Geräusche und die gewaltigen Zierspiegel in dem maroden, rußverschmierten Bauwerk offenbaren ihm unheimliche Visionen. Die Neugier des Ex-Cops ist geweckt…

Quelle

Mirrors ist düster – sehr düster. Dazu atmosphärisch sehr stark inszeniert und nahezu perfekt ausgeleuchtet. Die Kulisse des maroden und verlassenen Kaufhauses ist beeindruckend und erzeugt die passende Gruselstimmung. Mit dem Original GEOUL SOKEURO (engl. Into The Mirror) hat der Film allerdings wenig zu tun. Lediglich die Grundidee wird aufgegriffen. Was Alexandre Aja letztlich daraus macht divergiert so stark, dass von einem Remake eigentlich nicht mehr gesprochen werden kann.

Wie es der Name bereits vermuten lässt, spielt Mirrors sehr stark mit der Thematik der Spiegel und setzt dies auch visuell und stilistisch oft und handwerklich gekonnt in Szene. Selbst in den Persönlichkeiten der einzelnen Charakteren ist eine Ambivalenz meistens erkennbar und gerade Hauptdarsteller Kiefer Sutherland spielt dies (fast immer) gut aus. Das ständige Spiel mit der Thematik von Bild und Abbild macht Mirrors zwar an vielen Stellen berechenbar, aber nie uninteressant oder langweilig. Splatterszenen lassen sich in Mirrors an einer Hand abzählen, was dem Film jedoch nie zum Nachteil gereicht. Im Gegenteil, denn die gekonnte Dosierung der Gewalt, lässt sie in den wenigen Momenten noch heftiger erscheinen.

Eigentlich sind alle Voraussetzungen dafür geschaffen, dass aus Mirrors ein sehr guter Horrorfilm hätte werden können, würde die Geschichte ab dem zweiten Drittel nicht zu sehr ins mystische abdriften und zu berechenbar werden. Auch das Ende des Films weiß nur bedingt zu überzeugen, denn irgendwie ahnt man als Zuschauer schon im voraus, dass versucht werden wird, noch eine dieser “unvorhergesehen Wendungen” einzubauen. Dazu kommt, dass man bei Kiefer Sutherland immer automatisch an Jack Bauer aus 24 denkt, auch wenn seine Darstellung des Charakters keine Kopie davon darstellen soll oder will.

Fazit: Stilistisch, handwerklich und vor allem atmosphärisch macht Mirrors im Grunde alles richtig, versagt dann allerdings an der Hürde, den angefangenen Stoff zu einem stimmigen Ende zu bringen. Mirrors ist damit immer noch ein guter Horrorfilm, mehr allerdings nicht. Schade, denn das Potential dazu war da.

Rating: ★★★☆☆

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