Nach der DVD-Veröffentlichung von The Happening wird es Zeit, dass wir uns das neueste Machwerk von The Sixth Sense-Regisseur M. Night Shyamalan ebenfalls zu Gemüte führen. Und was haben wir im Vorfeld des Kino-Starts nicht alles für Verrisse lesen müssen. Irgendwie scheint es mittlerweile zum guten Ton zu gehören, alle neuen Filme von Shyamalan von vorneherein schlecht zu finden. Jede Einleitung einer solchen Kritik beginnt in der Regel mit dem Verweis auf The Sixth Sense, Shyamalans Erstlingswerk und für viele einer der besten Filme aller Zeiten. Mit jedem neuen Film wird sofort ein Vergleich mit dem schon beinahe golrifizierten The Sixth Sense erzwungen. Aus unserer Sicht nicht nur ein Fehler, sondern auch sehr einfallslos bzw. unpassend. Wir möchten uns im Vorfeld unserer Kritik davon distanzieren. Nicht nur, weil wir viele der nachfolgenden Werke, wie beispielsweise Signs oder The Village wirklich sehr gut fanden, sondern auch weil ein Vergleich mit Shyamalans Debüt nur selten wirklich angebracht ist. Kommen wir also endlich zu The Happening und seiner Geschichte:
An einem scheinbar ganz normalen Morgen werden im New Yorker Central Park Menschen plötzlich von einer unerklärlichen Macht ergriffen und dazu gebracht, auf der Stelle Selbstmord zu begehen. Eine ganze Nation steht unter Schock, erste Vermutungen deuten auf einen Terroranschlag mit einem bisher unbekannten, bewusstseinsmanipulierenden Kampfstoff hin. Als sich auch in einem Park in Philadelphia mysteriöse Massenselbstmorde ereignen, bricht Panik unter der Bevölkerung aus. Der Lehrer Elliot (Mark Wahlberg) will mit seiner Frau Alma (Zooey Deschanel), seinem besten Freund Julian (John Leguizamo) sowie dessen kleiner Tochter Jess (Ashlyn Sanchez) aufs Land flüchten. Doch weit kommt die Gruppe nicht. Ihr Zug verliert mitten in der Pampa der US-Ostküste im kleinen Örtchen Filbert den Kontakt zur Außenwelt…
Soweit zum Plot, der auch wirklich sehr ansprechend beginnt. Die Selbstmorde der betroffenen Personen und Menschenmassen werden eindrucksvoll und teilweise sehr schockierend in Szene gesetzt. Dadurch und durch die Tatsache, dass der eigentliche Auslöser dieser Massenkatastrophe nichts Sicht- und Greifbares darstellt, wird von der ersten Minute an eine sehr hohe Spannung aufgebaut. Lediglich durch einen immer wieder aufkommenden Wind wird dezent versucht, das hereinbrechende Grauen zu visualisieren. Die über 100 jährige Geschichte der bewegten Bilder hat dabei in der Vergangenheit bereits mehrfach bewiesen, dass es oftmals furcheinflößender ist, eine Gefahr bzw. das Böse nicht eindeutig zu zeigen oder zu personifizieren. Die Phantasie des Menschen kann sich weitaus schlimmere Bilder ausmalen, als auf der Leinwand letztlich dargestellt werden können. The Happening stützt sich sehr stark auf diese allgemein gültige “Weisheit”, was in der ersten halben Stunde des Films auch sehr gut funktioniert. Mit der Zeit verliert “der Wind” als Symbol des hereinrechenden und wiederkehrenden Übels allerdings mehr und mehr seinen Schrecken und wird für den Zuschauer zur Gewohnheit, wodurch ein nicht unerheblicher Teil der Spannung von jetzt auf gleich verloren geht.
Das eigentliche Ärgernis dieses sehr ambitionierten Werkes ist jedoch die Geschichte selbst. So vielversprechend sie auch beginnt und so spannend die erste Hälfte des Films auch inszeniert wird, so ärgerlich und entäuschend ist die zweite Hälfte. Man hat das Gefühl, dass dem Regisseur und Autor mit einem Schlag die Luft ausgegangen ist. Die Flucht vor der Katastrophe verkommt angesichts einer völlig unglaubwürdigen und anhaltenden Beziehungskrise zwischen dem Hauptprotagonisten und seiner Frau immer mehr zur Farce. Es fehlen dabei schlicht die Ideen, um den angerissenen Stoff sinnvoll und konsequent weiterzuführen. Und genauso schnell und unerwartet, wie die Katastrophe begonnen hat, so schnell und unerwartet endet sie auch wieder. Bei der Betrachtung einer imaginären Dramaturgie-Kurve vor unserem inneren Auge, würde diese Kurve bis zur Hälfte kontinuierlich ansteigen, um anschließend ebenso kontinuierlich abzufallen, bis sie kurz vor Ende völlig auf den Tiefpunkt fällt. Eine Frechheit gegenüber dem Zuschauer und ein unverzeihlicher Bruch mit allen gängigen, dramaturgischen Konventionen, der seinesgleichen sucht.
Bevor wir den Film jedoch völlig in der Luft zerreißen, seien noch einige Punkte aufgeführt, die wirklich gelungen sind, denn ganz so schlecht wie der vorherige Abschnitt es vielleicht vermuten lässt, ist The Happening nun auch wieder nicht. Die Musik von James Newton Howard ist wie schon bei The Village wunderschön. Mark Wahlberg spielt seinen Charakter mit einem Ausdruck ständiger aufkommender Panik und Betroffenheit sehr gut. Außerdem ist es beeindruckend, mit anzusehen, dass der Film im Grunde ohne einen einzigen wirklichen Special Effect auskommt. Die Grundlage und Intention des Films, die Machenschaften des Menschen gegenüber der Natur anzuprangern, kann im Großen und Ganzen ebenfalls als gelungen betrachtet werden.
Dennoch bleibt der fade Beigeschmack, dass hier eine Geschichte angefangen wurde, die letztlich zu keinem überzeugenden Ende gebracht werden konnte und den Zuschauer unbedfriedigt zurück lässt. Auch auf das bisherige Markenzeichen des Regisseurs, den finalen Twist, wartet der Fan vergeblich. The Happening ist damit nicht nur M. Night Shyamalans blutigstes Werk, sondern auch gleichzeitig sein schlechtestes. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass die Kritiker diesesmal Recht behalten haben. Schade.
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