Aller guten Dinge sind vier. Nach den vorangegenagnen Kritiken zu Psychensurfern, Raumakrobaten und Lichtscheuen sind heute mal die Cowboys dran. Damit ist mir seit langer Zeit wieder ein waschechter Shooter im DVD-Laufwerk gelandet. Vorhang auf für den PC-Titel Call of Juarez.
Worum geht’s? Billy die Kerze, der schon als Heranwachsender ständig die Hucke vollgekriegt und als Mexikaner sowieso nichts zu lachen hat im Wilden Westen, kehrt zu seiner Mutter zurück, um wenigstens mal wieder ein freundliches Gesicht zu sehen. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände ist ihm aber nach den ersten paar Minuten das gesamte Dorf auf den Fersen, und allen voran Reverend Ray – der früher wohl ein übler Revolverheld war. Zwischen diesen beiden Hauptakteuren entbrennt eine Jagd, die sie kreuz und quer durch hübsch viele klassische Western-Settings führt und hinter der Grenze zu Mexiko endet. Eine Liebesgeschichte und ein sagenhafter Azteken-Goldschatz dürfen da natürlich zur Abrundung nicht fehlen.
Der erste von vielen guten Einfällen im Spieldesign: man spielt beide Helden abwechselnd in verschiedenen Episoden. Hin und wieder überschneiden sich die Handlungsstränge zu Beginn und Anfang der Abschnitte, d.h. Ray stöbert Billy auf, und Billy ist nächstens direkt wieder auf der Flucht, während ihm die Kugeln des Reverends um die Ohren pfeifen.
Ohnehin sind die Feuergefechte eines der absoluten Highlights des Spiels, wie es sich für einen Shooter auch gehört. Sowohl Billy als auch Ray können meisterlich mir zwei Colts gleichzeitig ballern, originellerweise jeweils auf die linke und rechte Maustaste gelegt. Daneben gibt es die üblichen Schrotflinten und Gewehre, aber auch pro Charakter Spezialitäten. Billy ist für die akrobatischen Kunststückchen zuständig, weshalb er sich mit der Indy-Peitsche an unzähligen Baumästen herumschwingt und auch an Kisten und Felskanten hochzieht. Der schwerfällige und in die Jahre gekommene Ray kann das nimmer, dafür darf er regelmäßig die Knarren aus den Holstern ziehen und die Schurken unter Zeitlupe und zwei gerennten Zielkreuzen umnieten. Und die wohl beste Spezialwaffe, die wir jemals in einem Shooter gesehen haben: die Bibel!
Links ballern, rechts zitieren – göttlich (wenn auch unpraktisch)! Wer bei den Feuergefechten genug Nerven oder zumindest die Conquistador-Rüstung des Reverends mitbringt, kann sogar den Gegnern zum Spaß die Hüte vom Kopf schießen. Zur Auflockerung gibt es auch Showdowns mit diversen Bandenführern.
Das gesamte Spiel ist voll mit frischen Einfällen solcher Art, die ausnahmlos gut umgesetzt sind. Auch schön sind die Secrets in Form von Steckbriefen zu den Entwicklern, die deren Missetaten während der Entwicklung des Spiels beschreiben. Die Sprachausgabe ist in Deutsch und Englisch mitgeliefert und fast durchweg herausragend. Auch die Grafik ist sehr, sehr hübsch. Holzhütten-Dörfchen, Rinder-und Maisfarmen, Prärie und Felsenschluchten sind genau so, wie sie in Hollywood-Filmen schon immer waren. Die Geschichte samt ihrer dramaturgischen Kniffe kann es meines Erachtens ohnehin mit einem guten Western aufnehmen.
Fazit: Ein ausgezeichneter Shooter fernab der üblichen Quake-, UT- und WW2/SpecialOps-Massenwarentitel. Wie schon viele andere Ubisoft-Titel bietet er statt Gewohntem abwechslungsreiche Einfälle, ist dabei aber auch angemessen anspruchsvoll im Schwierigkeitsgrad. Die 10€, die er momentan in der Spielepyramide kostet, ist er dicke wert!
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