Wie bereits vor Kurzem angekündigt, haben wir uns nun endlich den französischen Science-Fiction Film Eden Log aus dem Jahr 2007 zu Gemüte geführt. Zugegeben, in letzter Zeit werden von uns erstaunlich viele Werke französischen Ursprungs oder zumindest französischer Regisseure behandelt, was unmittelbar mit einer steigenden Experimentierfreudigkeit und wachsendem internationalem Erfolg unserer direkten Nachbarn zusammenhängt. Dem Trailer zu Folge geht Eden Log in Sachen Experimente allerdings noch einen oder vielleicht sogar mehrere Schritte weiter und spaltet damit die Gemeinde der Filmliebhaber in zwei Hälfte. Die einen können mit dem düsteren und experimentellen Film von Franck Vestiel wenig anfangen, während andere regelrecht in Superlativen schwelgen.
Nackt und mit Schlamm beschmiert erwacht ein Mann (Clovis Cornillac) in einem kalten und dunklen, Höhlen-Labyrinth tief unter der Erde. Er hat scheinbar keine Erinnerung daran wer er ist, wo er ist und vor allem, wie er an diesen Ort gelangt ist. Ohne jeden weiteren Hinweis macht er sich daran, einen Weg aus dem unterirdischen System zu finden. Hologramme weisen ihm Anfangs noch den Weg, werfen allerdings mehr Fragen auf, als das sie antworten zu bieten hätten. Ebenso verhält es sich mit einem weiteren Fremden, der zwischen Wurzelwerk und Erdreich verwachsen aus der Wand ragt und der scheinbar große Qualen erleidet. Auf seiner Suche nach einem Ausgang aus dem Labyrinth, stößt der Hauptprotagonist immer wieder auf weitere kryptische Hinweise, fragmentarische Video-Aufzeichnungen, zerstörte Laboratorien und grauenhafte Kreaturen…
Eden Log beginnt in großer Finsternis und mit unendlich vielen Fragezeichen. Der Zuschauer wird mit dem gleichen Kenntnisstand in das Geschehen geworfen, wie der Protagonist selbst und wird dadurch gezwungen, sich die selben Fragen zu stellen und das Geschehen auf die gleiche Art und Weise zu erleben. Verzweifelt versucht man sich zu orientieren. Erste Anzeichen einer Lichtquelle bringen nach und nach etwas Licht in das sprichwörtliche Dunkel, werfen allerdings auch große Schatten und führen dazu, dass man angestrengt aufpassen muss, um überhaupt etwas zu erkennen. Von der ersten Minute an wird dabei deutlich, dass Eden Log nicht nur ein sehr ambitionierter Film seiner Gattung sein will, sondern auch mindestens genauso anstregend ist. Wer nicht bereit ist, sich darauf einzulassen, an dem wird der Film höchstwahrscheinlich wie ein Schatten vorbeihuschen.
Neugierige und Genre-Fans können sich allerdings an einer düsteren und klaustrophobischen Atmosphäre erfreuen und folgen dem ungewöhnlichen Szenario. In der ersten halben Stunde wirkt Eden Log daher auch wie eine Mischung aus The Descent und Cube, wobei der Charakter des Films sich während der Laufzeit von knapp 100 Minuten stetig weiterentwickelt und mehr und mehr zum nahezu klassischen Science-Fiction Endzeit Szenario mutiert. Trotz einiger langer Passage, in denen der Protagonist im Grunde lediglich weiter durch die Finsternis stolpert, kann die Spannung immer aufrecht gehalten werden. Die beeindruckende Soundkulisse unterstützt dies und den Eindruck der Isolation und der klaustrophobischen Enge des Systems gekonnt. Ebenso verhält es sich mit den finsteren Bildern, die angesichts der Dunkelheit nahezu komplett in Tönen zwischen Schwarz und Weiß gehalten werden.
Gegen Ende hin wird Eden Log dann vielleicht etwas zu gewöhnlich. Interessanter und konsequenter wäre es gewesen, den Zuschauer ebenso verstört zurückzulassen, wie man ihn auch in diesen Film gesogen hat. Das Finale ist daher auch nicht 100%ig gelungen und reißt einige Löcher in das bis dato gelungene Skript. Weniger wäre an dieser Stelle vielleicht mehr gewesen. Aber auch so ist Eden Log an den französischen Kino-Kassen gefloppt. Angesichts der Thematik und der Umsetzung ist das allerdings kein Wunder. Seine Fans wird der Film so oder so finden und hat auch durchaus das Zeug zum Kult-Film. Nach Dante 01 ist Eden Log der nächste gelungene, experimentelle Science-Fiction Film aus französischen Landen.
Rating: 



