Comic-Kritik: Fables #5 – Aufmarsch der Holzsoldaten

Beitrag von phil 8 - November - 2008

Im Vorfeld zu Fables #5 haben wir uns nochmals intensivst mit den vier vorhergehenden Bänden auseinandergesetzt. Fables begann sehr gut und konnte das hohe Anfangsniveau auch halten, wobei ein großer Teil der Faszination, der von Fables ausgeht, auf das ungewöhnliche und dabei einfallsreiche und skurille Szenario zurückzuführen ist. Der bisherige Verlauf der Geschichte war sehr interessant und ebenfalls von guten Einfällen geprägt. Bei unserem Review zu Fables #4 konnten wir hier allerdings erste Verschleißerscheinungen feststellen, wobei Fables nach wie vor als überdurchschnittlicher Comic angesehen werden kann. Wir sind gespannt in welche Richtung sich Fables #5 – Aufmarsch der Holzsoldaten bewegt: Hält der (leichte) Abwärtstrend an oder findet Fables zurück zu alter Stärke?

Die Geschichte um die Fables nimmt dramatische Wendungen, die das Leben aller für immer verändern werden: ist beispielsweise bei Red Riding Hoods Flucht alles mit rechten Dingen zugegangen? Und findet Bigby Wolf Beweise für ihre Schuld oder Unschuld? Welche Ziele verfolgt Prince Charming? Der Feind streckt seine Finger nach Fabletown aus und schickt eine Armee von Holzsoldaten, um die im Exil lebenden Fables zu erledigen. Kein Wunder also, dass nicht nur Pinocchio den Ansturm seiner “Artgenossen” mit mulmigem Gefühl entgegensieht…

Was im ersten Moment negativ auffällt sind die Holzsoldaten: Der Versuch, sie als “Agent Smith”-Versionen (in schwarzen Anzügen und mit Sonnenbrillen) einzuführen ist mit Sicherheit kein schlechter Schachzug, die zeichnerische Darstellung überzeug hier jedoch nur bedingt. Nur mit viel Phantasie sind sie als Holzfiguren erkennbar und erinnern vielmehr an Wachsfiguren. Die angesprochene Parallele zu den Bösewichtern aus Matrix kann allerdings als gelungen betrachtet werden.

Auch wenn sich die Geschehnisse mit jedem weiteren Band immer mehr zuspitzen, der Feind immer näher heranrückt und auch die Intrigen und Geschehnisse in Fabletown sich stetig weiterentwickeln, so entsteht zu Beginn von Aufmarsch der Holzsoldaten der Eindruck, dass es sich bei Fables um eine Art Soap-Opera handelt. Dieser Charakter ist vor allem in der ersten Hälfte des Bandes sehr stark ausgeprägt und kann lediglich durch die großen Geschehnisse in der zweiten Hälfte wieder einigermaßen wettgemacht werden. An dieser Stelle wird sehr stark deutlich, wie abhängig die Geschichte um das Exil der Märchenfiguren von einer zentralen Person ist. Gemeint ist Bigby Wolf, ohne den das Szenario nicht funktionieren würde. In der ersten Hälfte wird dies besonders deutlich, vor allem da sich herausstellt, dass er im Grunde der einzige Charakter in der Geschichte ist, mit der sich der Leser tatsächlich identifizieren kann. Tritt sein Part für kurze Zeit in den Hintergrund, so leiden auch die Geschehnisse darunter.

Die zweite Hälfte von Aufmarsch der Holzsoldaten ist geprägt vom Invasionsversuch des Feindes in Form der bereits angesprochenen Armee von Holzsoldaten. Dieser Teil – auch oder gerade weil er sehr actionlastig ist – entschädigt zumindest teilweise für den operettenhaften Anfang. Auffallend ist dabei, dass die Macher von Fables nicht zögern, die eine oder andere Märchenfigur über die Klinge springen zu lassen. Dadurch entsteht für den Leser der Eindruck einer tatsächlichen Gefahr, was sich letztlich positiv auf die Spannung auswirkt.

Die Abwehr der Invasion stellt natürlich keine wirkliche Überraschung dar, aber unterhält sehr gut. Auch die anschließende Suche nach einem weiteren Verräter unter den Fables schließt mit einem netten Twist ab und entlässt den Leser trotz der Anfangs gezeigten Schwächen mit einem befriedigenden Gefühl. Aufmarsch der Holzsoldaten hätte eine üble Bruchlandung werden können, besinnt sich aber der Hälfte allerdings wieder auf einige Stärken und kann letztlich doch noch überzeugen. Ein qualitativer Unterschied – gerade zu den ersten drei Bänden – ist jedoch nicht von der Hand zu weisen.

Rating: ★★★☆☆

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