Hölle, das ist der Debütroman des Schriftstellers Will Elliott. Der Australier konnte mit seiner Geschichte, einer Mischung aus Horror- und Fantasy-Elementen, gespickt mit einer Prise bösen Humors, von Anfang an überzeugen und erhielt dafür auch gleich den ABC Fiction Award. Wir haben uns die Hörbuch-Variante seines Debüts zu Gemüte geführt und rezensieren damit zum ersten Mal ein Werk aus der Kategorie der Hörbücher. Wer Hölle kennt, der weiß, dass dies keine leichte Aufgabe, denn im Gegensatz zu einem Hörspiel wird jede Passage, jeder Charakter, einfach alles von ein und demselben Sprecher vorgelesen. Okay, der Unterschied zwischen einem Hörspiel und einem Hörbuch sollte allgemein bekannt sein, aber wir hielten es dennoch für einen passenden Einstieg in diesen Artikel. Dadurch können wir gleich zum eigentlichen Star der 6 CDs langen Geschichte kommen und das ist in diesem Fall nicht das Buch, sondern vielmehr der Sprecher Oliver Rohrbeck. Namen sind allerdings bekanntlich Schall und Rauch und nur wenige werden mit dem Namen etwas in Verbindung bringen können, oder?! Wenn wir allerdings von Justus Jonas von den Drei ??? reden, wissen mit Sicherheit die meisten Bescheid. Der Zusammenhang dürfte damit hergestellt sein. Wer diese Stimme nicht kennt, der hatte keine Kindheit oder zumindest eine sehr triste. Weitere Polemik wollen wir uns an dieser Stelle jedoch verkneifen und kommen direkt zur Umsetzung des Hörbuches und zur eigentlichen Geschichte:
Als Jamie eines Nachts einen Clown überfährt, der urplötzlich vor seiner Motorhaube auftaucht, ist ab sofort nichts mehr, wie es war. Jamie erhält unheimliche Drohungen, und eine Horde mordgieriger Geschöpfe in Clownskostümen macht Jagd auf ihn. Die Clowns entführen Jamie in den Pilo-Zirkus, eine bizarre, jenseitige Welt, beherrscht von unheimlichen Akrobaten, Zwergen, Freaks und Wahrsagern. Ein geheimnisvolles Pulver erfüllt jeden Wunsch, und auch Jamie verfällt ihm. Doch wer es einnimmt, wird zum eiskalten Killer. Wenn Jamie dieser Hölle entkommen will, muss er nicht nur den Zirkus zerstören, sondern auch seinen größten Feind besiegen – die eigene dunkle Seite …
Quelle: Phantastik Couch
Die Zusammenfassung der Geschichte mag im ersten Moment seltsam anmuten und sie ist auch von vorne bis hinten unkonventionell. Natürlich gibt es auch hier die Guten, die Bösen und die Zwielichtigen und Will Elliott hat mit Hölle auch nicht das Rad der Literatur neu erfunden, aber allein das Szenario ist so erfrischend anders und – auch wenn wir uns wiederholen sollten – unkonventionell. Das Wort Genre-Mix muss einfach stellvertretend für dieses Werk stehen und wenn es den Begriff bis dato noch nicht gegeben hätte, so müsste er speziell dafür kreiert werden. Die Geschichte um den Zirkus am Rande der Hölle, der die Seelen seiner Besucher einfängt, mit all seinen widersinnigen Charakteren und Gestalten, ist einfach großartig und macht von Anfang bis Ende Spass.
Wie eingangs erläutert ist der eigentliche Star Oliver Rohrbeck selbst. Auch wenn die Stimme zu Anfang stark von bisherigen Werken, wie Drei ???, vorbelastet ist, kann man sich sehr schnell von der Assoziation des Justus Jonas lösen und der Kunst des Sprechers lauschen. Rohrbeck schafft es von Beginn an, jedem einzelnen der Charaktere – und das sind beileibe nicht wenige – eine eigene, sehr charakteristische Stimme zu verleihen. Als Hörer muss man dadurch (fast) nie überlegen, wer denn gerade spricht und welche Personen in einer bestimmten Szene teilhaben. Auf Anhieb fällt uns hier nur ein weiterer Sprecher ein, der auf einem ähnlich hohen Niveau vorzulesen versteht: Rufus Beck. Aber selbst Beck kann im direkten Vergleich mit der Vielseitigkeit von Rohrbeck nicht mithalten. Besonders beeindrucken ist die Art und Weise, wie die beiden unterschiedlichen Seiten des Hauptprotagonisten Jamie/Jay-Jay vorgeführt werden. Rohrbeck liest in diesen Momenten nicht die Geschichte, er lebt sie und macht sie dadurch auch für den Hörer lebendig. Selbst in den wenigen schächeren Momenten bleibt die Geschichte immer interessant und als begeisterter Zuhörer kann man sich jederzeit mit dem Hauptcharakter, seinem Handeln und selbst mit seiner gespaltenen Persönlichkeit identifizieren.
Nach über 6 Stunden Spielzeit ist die Geschichte allerdings leider schon zu Ende und man wird jäh in die Wirklichkeit zurückgerissen. Hölle, ist mit Sicherheit eines der besten Hörbücher, welches seit langer Zeit an unser Ohr gedrungen ist. Die Umsetzung durch Oliver Rohrbeck ist phänomenal und der einzige Grund, warum wir nicht die Höchstwertung vergeben, ist der fehlende Schuss Genialität, der der Roman-Vorlage noch fehlt. Zugegeben, wir haben das Buch nie gelesen, aber behaupten mal frech, dass das Hörbuch die wesentlich bessere Investition darstellt.
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