Der Kinostart von Der unglaubliche Hulk ist bereits einige Monate her und damals ziemlich spurlos an uns vorüber gegangen. Zum DVD Start vor einer Woche haben wir uns allerdings erbarmt und dem Hulk die Möglichkeit gegeben unsere Skepsis zu widerlegen. Edward Norton, Liv Tyler, William Hurt und Tim Roth? Klingt doch nach einer mehr als passablen Besetzung für einen Neustart von Hulk, oder?! Irgendwie hängt dann aber doch der fade Beigeschmack nach, der Ang Lee’s Hulk mit Eric Bana in der Hauptrolle mit sich brachte. Zugegeben, der “erste” Hulk Film war kein totaler Reinfall, aber zumindest sehr zwiespältig. Auf der einen Seite konnte der übertriebene Comic-Look größtenteils gefallen, aber auf der anderen Seite… tja es blieb eben einfach nicht viel hängen. Zu mittelmäßig um wirklich zu überzeugen und zu solide um ihn in der Luft zu zerreissen. Da erreichte die Vorfreude auf eine erneute Hulk-Verfilmung nicht gerade den Siedepunkt unserer cineastischen Geilheit. Die mäßigen Kritiken taten hierzu ihr übriges. Wir geben dem Film und vor allem Edward Norton dennoch eine Chance, uns vom Gegenteil zu überzeugen.
Vor fünf Jahren wurde der Wissenschaftler Bruce Banner (Edward Norton) bei einem geheimen biochemischen Experiment radioaktiv verstrahlt. Seitdem verwandelt er sich, wann immer sein Puls die Marke von 200 Schlägen pro Minute übersteigt, in das grüne Monster Hulk, das in seiner näheren Umgebung alles kurz und klein schlägt. Weil General „Thunderbolt“ Ross (William Hurt) Hulks Kräfte für militärische Zwecke ausschlachten wollte, floh Banner nach Brasilien, wo er seitdem an Entspannungstechniken arbeitet und in einer Limonaden-Fabrik schuftet. Durch einen unglücklichen Zufall stößt das US-Militär jedoch auf die Spur des Flüchtigen. Banner muss erneut abhauen und schleicht sich zurück in die USA, wo er mit der Unterstützung von Ross‘ Tochter Betty (Liv Tyler) nach einer Kur für seinen Zustand forschen will. Doch Ross lässt nicht locker. Er hetzt die versammelte US-Kriegsmaschinerie auf den grünen Muskelprotz. Als auch dies nicht dabei hilft, Hulk zu stoppen, setzt sich der kampfbesessene Marine Emil Blonsky (Tim Roth, Pulp Fiction, Jugend ohne Jugend, Funny Games U.S.) freiwillig ähnlichen Experimenten wie einst Banner aus, in deren Folge er zur zerstörerischen Bestie Abomination mutiert und New York attackiert…
Quelle: Filmstarts
Die Geschichte beginnt recht vielversprechend, denn zu unserer Freude hat man auf einen kompletten Reboot verzichtet und die Entstehungsgeschichte des Hulk gekonnt umschifft. Lediglich im Vorspann wird in kurzen Schnippseln erzählt, wie aus Bruce Banner der unglaubliche Hulk wurde. Ein weiteres Superhelden-Epos, welches sich zwei Drittel des Film mit der Wandlung zum eigentlich Superhelden beschäftigt wäre auch des guten zuviel gewesen. Auch der Look des Films ist wesentlich düsterer und steht damit im direkten Kontrast mit dem quietschebunten Hulk aus dem Vorgänger. In der Hinsicht kann der neue Film also ebenfalls punkten. Edward Norton spielt seinen Part als Bruce Banner, dessen Leinwandpräsenz mit zunehmender Dauer des Films exponentiell abnimmt, souverän aber nicht überragend. Es stellt sich zudem der Eindruck ein, als hätte Norton sein filmisches Potential mit American History X und Fight Club verschossen und als dümpele seine Karriere nur noch vor sich hin. In Anbetracht der Tatsache, dass er seit Jahren mal wieder die Möglichkeit hat in einem potentiellen Blockbuster die Hauptrolle zu spielen, hätte man diesbezüglich mehr wirklich erwarten können. So reicht es zu einer soliden Leistung und mehr leider nicht…
Und damit sind wir auch schon beim Manko des Films: Er tut niemandem weh, aber begeistern kann er leider auch nicht. Im Gegensatz zu einem Genre-Meilenstein wie The Dark Knight ist der Plot reichlich eindimensional und vorhersehbar. Die Gegenspieler, allen voran Tim Roth und William Hurt, wirken blass und emotionslos. Und Liv Tyler… tja, warum spielt die eigentlich nochmal mit? Die Actionszenen sind gekonnt in Szene gesetzt, aber letzlich einen Tick zu überladen und erreichen fast schon Michael Bay’sche Ausmaße. Hier wäre weniger mal wieder mehr gewesen. So hätte man mehr Zeit für die Entwicklung des Plots verwenden und den Charakteren mehr Tiefe verleihen können. Gerade Bruce Banners Intention, sich von seinen “Fähigkeiten” heilen zu lassen, wirkt angesichts der Geschehnisse unglaubwürdig und der Schluss des Films führt das alles noch ad absurdum.
Der unglaubliche Hulk ist damit im Grunde ein riesengroßer Quark und ein absoluter No-Brainer, weiß allerdings zu unterhalten (mal freiwillig, mal unfreiwillig) und ist damit wie auch Ang Lee’s Hulk einfach zu mittelmäßig um sich wirklich darüber aufzuregen. Ein handwerklich und schauspielerisch solider Film, der Genre-Fans weiterhin interessieren darf und in ein paar Jahren in Vergessenheit geraten sein wird.
Rating: 




[...] Der Charakter des ewig flüchtenden Bruce (im Widersinn zu seinem aggressiven zweiten Ego) wurde von Edward Norton plastisch dargestellt. Auch sein Widersacher Blonsky (Tim Roth), der verbissene Soldat, der sich am Ende in einen “Zweit-Hulk” verwandelt, ist mehr als nur ein Super-CGI-Monster. Die Action-Sequenzen waren ziemlich gut gemacht, auch wenn ich sagen muss, dass (genau wie im 2003er-Hulk) mir der Hulk irgendwie zu groß geraten ist, im Gegensatz dazu aber nicht übermächtig genug rüberkommt (wobei ich glaube das dies beiden Filmen gut getan hat). Alles in allem hat mir der “neue” Hulk-Film recht gut gefallen. Ich würde sagen: Daumen hoch! Alternative Meinung gibt es bei dem Blog-Post von Phil. [...]