Letzte Woche sind wir durch Stöbern im zusammengekürzten PC-Spiele-Sortiment einer großen Elektronik-Handelskette auf den Titel Global Conflicts – Südamerika gestoßen. Klingt im ersten Moment wie ein Strategie-Titel, aber Cover und Rückseitenbeschreibung klären den Irrtum schnell auf.
Denn dieses Spiel stammt aus einer Ecke, von der man sehr selten etwas hört: dem Edutainment. Inhalt des Spiels ist es, als freischaffender Reporter verschiedene Konfliktherde in Südamerika zu bereisen und dort den Verbrechen und der allgegenwärtigen Korruption nachzugehen, die in diesem Teil der Welt an der Tagesordnung sind. Dies tut man dadurch, dass man – redet. Das gesamte Spiel besteht im Grunde daraus, diverse Gesprächspartner aufzutreiben und durch die richtige Themenwahl ein vorgegebenes Set aus Beobachtungen und Kernaussagen “freizureden”, die man dann als argumentative Waffen bei einem abschließenden Interview mit dem lokalen Verantwortlichen/Machthaber einsetzen kann.
Prinzipiell kann man sich in den Interviews nichts verbauen, alle Themen sind in freier Kombination auswählbar – was im Rahmen der Spielausrichtung, nämlich dem Spieler umfassende Informationen zu bieten, auch letztendlich am meisten Sinn ergibt. Um trotzdem einen spieltechnischen Anreiz zu schaffen, kostet jede Frage an den Gesprächspartner einfach Zeit. Davon hat man eben nur begrenzt; nach deren Ablauf geht’s zum finalen Interview, egal, wie viel oder wie wenig schlagkräftiges Material man nun zutage gefördert hat.
Inhaltlich hat uns das Spiel wirklich überzeugt. Wir glauben dem Hersteller Serious Games Interactive ohne Weiteres, dass da authentische Nachforschungen der realen Zustände in Südamerika zugrunde liegen. Die Aussagen der einzelnen Charaktere erinnern in der Tat an entsprechende Dokumentationen aus Literatur und Fernsehen. Auch die Bandbreite der Themen ist ziemlich beeindruckend und erschreckend zugleich – wer wußte, dass es in Guatemala dreißig Jahre lang Bürgerkrieg gab und sich dank traditioneller Straffreiheit die Kriminalität tief in die Gesellschaft gefressen hat? Oder von den Fabriken an der mexikanischen Grenze zu Amerika, die gefährlichste Giftschleudern sind?
Die technische Seite des Spiels sieht dagegen leider mager aus. Grafisch hinkt der Titel dem aktuellen Stand um ca. 4 Jahre hinterher, und vertont sind nur die Hintergrundgeräusche der verschiedenen Orte; die Interviews selbst sind reine Textschlachten. Das wiederum finden wir aber immer noch angemessener als schlechte Synchronisation, die für das Spiel schlicht katastrophal gewesen wäre. Allerdings genügt die technische Seite vollkommen, um die Kernaussagen des Spiels zu transportieren, und nur darauf kommt es unserer Meinung nach hier an.
Fazit: Wer sich wirklich für die Thematik interessiert oder mal was Gehaltvolleres tun möchte als den x-ten Helden upleveln, dem kann man diesen Titel wirklich ans Herz legen. Wer primär Polygone und Texturauflösungen zählt oder gerne möglichst wenig Textlastiges bevorzugt, hat hier seinen perfekten Anti-Titel gefunden.
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Hmm, klingt nach einem guten Konzept mit technischen Mängeln und viel Langeweile. Ich finde beim Edutainment hat man bereits sehr viel Education aber zu wenig Entertainment. So wird man ewig Nischenprodukt bleiben.
Der Ansatz gefällt mir aber wirklich sehr gut.