Filme aus Südkorea? Da denkt der bewanderte Cineast doch gleich an den Regisseur Chan-wook Park und seine grandiosen Filme Sympathy for Mr. Vengeance, Joint Security Area, I’m a Cyborg but that’s OK, Lady Vengeance und allen voran die meisterhaft inszenierte Manga-Umsetzung Oldboy. The Chaser stammt ausnahmsweise mal nicht von diesem Ausnahme-Regisseur, weist aber herkunftsbedingt einige stilistische Analogismen sowohl zu den bereits genannten Werken als auch zum Hong-Kong Thriller Infernal Affairs auf. Die Parallelen sind allerdings nicht nur inhaltlicher Natur, sondern spiegeln sich auch im Geschehen hinter den Kulissen der Filmfabriken wieder. Nachdem Martin Scorsese mit Leonardo diCaprio bereits Infernal Affairs unter dem Titel The Departed für das Hollywood-Publikum erfolgreich neu aufgelegt hat, soll es schon bald ein Remake von The Chaser geben. Leonardo diCaprio soll sich hierzu bereits die Rechte an dem Film gesichert haben. Werfen wir also einen Blick auf das Original, welches hierzulande bereits in den Videotheken zu haben ist, als Kauf-DVD allerdings erst Mitte Dezember erscheinen wird:
Der misanthropische Ex-Cop Joong-ho (Kim Yun-seok), der nach einer Korruptionsaffäre vom Dienst suspendiert wurde, verdient sein Geld inzwischen als Zuhälter. Als nach und nach seine Callgirls verschwinden, vermutet er erst, dass diese sich einfach aus dem Staub gemacht haben. Dann jedoch fällt ihm ein Muster auf: Bei jedem Mädchen ist die gleiche Telefonnummer als letzter Kunde eingetragen. Da seine ehemaligen Kollegen bei der Polizei der Spur nicht nachgehen wollen, stellt Juong-ho auf eigene Faust Ermittlungen an. Doch die Zeit drängt, denn auch sein letztes noch verbleibendes Callgirl, die junge, alleinerziehende Mutter Mi-jin (Seo Yeong-hie), ist inzwischen in die Fänge des Killers (Ha Jung-woo) geraten…
Quelle: Filmstarts
The Chaser lebt von mehreren Aspekten, die zum Teil grandios ineinander greifen: Auf der einen Seite ist da die Atmosphäre einer perfekt ausgeleuchteten asiatischen Großstadt mit dunklen Gassen und verwinkelten Häusern, die sich in die Hänge der umliegenden Hügel graben und in direktem Kontrast stehen zu den neondurchfluteten, nassen Straßen der Innenstadt. Die Stimmung schwankt dabei zwischen Melancholie, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Der Soundtrack hält sich meist dezent im Hintergrund und verleiht dem Film dadurch eine seltsame Ruhe, die allerdings immer wieder von der brachialen Intensität der Geschehnisse durchbrochen wird. In diesen Momenten kommen Erinnerungen an David Finchers Meisterwerk Sieben hoch.
Neben der eigentlichen Handlung dreht sich in The Chaser alles um die Wandlung von Joong-ho vom Misanthropen zum aufopferungsvollen Beschützer und Rächer. Schauspielerisch spielt man hier in der eindeutig in der 1. Liga und leistet sich keinen nennenswerten Ausrutscher. Das sehr gute Drehbuch kommt immer direkt auf den Punk und schafft es auch über die komplette Dauer von über zwei Stunden nie Langeweile aufkommen zu lassen. Das zurückgreifen auf genretypische Klischees kann man sich dabei in den allermeisten Fällen verkneifen. An manchen Stellen hat es den Anschein, als spiele der Regisseur mit der klischeebeladenen Erwartungshaltung der Zuschauer, um diesen anschließend zu zeigen, dass es auch anders geht. Das Ende mag den einen oder anderen vielleicht leicht entäuschen, ist allerdings in seiner Umsetzung gerade in Hinblick auf die Wandlung des Hauptcharakters wichtig und dabei 100% konsequent. Ein Vergleich mit Oldboy ist auf den ersten Blick etwas weit hergeholt, aber dennoch zutreffend.
Qualitativ steht The Chaser auf einer Stufe mit Infernal Affairs und muss sich Meisterwerken wie Sieben oder Oldboy nur knapp geschlagen geben. Die Mixtur aus kraftvollen Momenten, brachialer Intensität, einer sehr guten schauspielerischen Leistung und einer packenden Atmosphäre machen den Film zu einem sehr erfüllenden (Heim-)Kino-Vergnügen. Regisseur Hong-jin Na hält die vielen Fäden seiner Inszenierung jederzeit in der Hand und führt den Film gekonnt von seinem melancholischen Anfang bis zu seinem verstörenden Ende. Wir sind auf diCaprios Remake gespannt…
Rating: 



