Es gibt Dinge, die im Grunde unwichtig und einem daher eigentlich völlig egal sein sollten – und die es trotzdem nicht sind. Stein des Anstoßes für mich war die Veröffentlichung von GTA IV diese Woche für den PC. Aus meiner Sicht macht es deutlich, wie unwichtig PC-Zocker wie meinereins großen Spieleherstellern geworden sind.
Weshalb sehe ich das so? Das fängt im Speziellen mit GTA IV an – eigentlich sogar mit GTA San Anderas. Beide Titel erschienen primär für die XBox und wurden später portiert. Das sah man schon GTA San Anderas an zwei wesentlichen Dingen an: die Grafik war erstaunlich mies und stand in keinem Verhältnis zur Performance oder der Hardware-Anforderung. Und die Steuerung der Spezialfahrzeuge war unter aller Sau (das ist keine Übertreibung, Kenner der PC-Version dürfen hier gerne an die Tastatur-Steuerung der Modell-Helikopter oder des Düsenflugzeugs zurückdenken).
Das waren also beim Vorgänger schon zwei Zeichen für die folgende Geschäftsstrategie: Konzentration auf die Konsole, weil sich da pro Spiel mehr Geld reinholen lässt – und eine Portierung auf den PC auf absoluter Sparflamme, weil dort eh nur Raubkopierer unterwegs sind. Qualität ist da nicht wichtig, oder besser ausgedrückt, passt nicht ins Konzept der Gewinnmaximierung. Statt dessen war der Titel eben lauffähig, aber nicht schön, in der Basissteuerung verwendbar, der Rest fiel ohnehin erst auf, wenn man ewig gezockt hatte. Tolle Sache.
Jetzt nun GTA IV. Eine Weiterentwicklung in absoluter Konsequenz. Glaubt man den inhaltlichen Beschreibungen dieses Reviews – und das tue ich aufgrund meiner Erfahrungen mit GTA San Andreas ohne Weiteres – wurde auf genau derselben Sparschiene portiert. Die Steuerung per Gamepad ist nicht konfigurierbar und nur mit den 360er-Gamepads überhaupt möglich. Maus und Tastatur sind ohnehin was für ewiggestrige PC-Spießer.
Die Grafik hingegen ist: nicht-existent für die meisten ATI-Nutzer. Sprich: es geht nicht, das Spiel stürzt ab. Eigentlich sind die Foren im ganzen Netz voll von Beschwerden über Grafik-Inkompatibilitäten. Es hat den Anschein, als sei in dem halben Jahr zwischen Konsolen- und PC-Fassung fast nichts passiert. Und das klingt wiederum so, als habe das Management beschlossen, insgesamt möglichst wenige Entwickler dran zu setzen, um noch mehr an Portierungskosten zu sparen. Rockstar sieht das ganz anders – statt ihrer Verantwortung nachzukommen, ihre erscheinenden PC-Titel in anständiger Fassung herauszubringen, bieten sie “für den kleinen Teil der Spieler mit Problemen” Kulanz-Patches in den nächsten Tagen an (sagen sie zumindest). Passt von der Aussage her zum Rest: seid froh, dass wir euch überhaupt was vor die Füße geworfen haben mit euren lächerlichen PCs. Gnädigerweise geben wir euch Patches, damit ihr nicht so plärrt.
Und der Spaß mit GTA IV für den PC hört hier noch nicht auf. Gleich zwei Onlineaktivierungen sind Pflicht: “Rockstar Social Club” und “Windows live”. Ohne letzteren XBox-Abklatsch darf nicht einmal gespeichert werden. Das ist eigentlich das Frecheste, was ich bislang für PC-Formate gehört habe. Übersetzt heißt es meiner Meinung nach: ok, du willst also wirklich nicht an der XBox zocken. Eigentlich ärgerlich für uns – dann zwingen wir die eben unser supercooles Spaß-Überwachungsnetzwerkchen am PC auf! Willst du auch nicht, weil dich das an der XBox auch schon stört? Ach, weißte was – dann fahr doch einfach zur Hölle, wir kriegen schon genug Geld von anderen.
Eine sehr subjektive Ansicht meinerseits? Da könnt ihr drauf wetten! Aber nach dem anfänglich zögerlichen Gebaren bei Half-Life 2 (“nur” Steam und Onlinezwang), der verschärften Fassung bei Mass Effect (zusätzliche Installationsbeschränkungen und SecuROM) ist GTA IV aus meiner Sicht die bisherige evolutionäre Krönung (alles zuvor Genannte und Drecksprodukt obendrein – für 50€!).
In meinem letzten Review habe ich das Wort Anti-Titel gebraucht. Ich habe meinen diese Woche gefunden. Er trägt für mich eine große Parole zur Schau: PC-Zocker sind dummes Pack, mit denen man sich alles erlauben kann, weil man ja den Konsolen-Markt fest in der Tasche hat. Kaum zu glauben, dass man früher mit dem PC-Markt mal Kohle gemacht hat, oder? Wie wohl aus dem Artikel ersichtlich ist, rate ich eindeutig von GTA IV für den PC ab. Alle weitere Aussagen verbietet mir das Gesetz. Außer: wenn ihr drauf steht, komplett für dumm verkauft zu werden, dann schlagt zu und lasst euch von Rockstar Games auslachen.
PS: Eins noch: offensichtlich gibt es schon weniger als eine Woche nach Veröffentlichung Cracks für die Kopierschutzmaßnahmen. Das führt wieder einmal zur Situation, dass die Piraten eine schlicht bessere Spielversion besitzen als die Käufer – wenn man sich dafür überhaupt interessieren sollte. Sollte man aber eigentlich in diesem Fall nicht.
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Toller Artikel, echt großartig! Das mit GTA:SA hab ich genauso empfunden und gekotzt hab ich damals bei der HL2-Sache auch… Spore hatte ja auch so eine Geschichte… ich kann mir auch echt keinen Grund vorstellen, warum man sowas machen sollte…
Da lob ich ir die Geschäftsidee von “Sins of a Solar Empire”, wo die Entwickler einfach keinen Kopierschutz, der eh nur Probleme macht, hinzugefügt hatten…
Ja, und es gab auch ein erhellendes Interview mit Stardock dazu, in dem sie diese Handlungsweise begründet haben.
Ihre Argumantation war, dass diese überzogenen Kopierschutzmechanismen zweierlei unerwünschte Effekte hervorrufen:
- Die Piraten knacken sie eh
- Lediglich die Käufer sind verärgert
Da der harte Kern der Piraten daher also ohnehin nie kaufen wird und sich auch nicht am Kopieren hindern lässt, zählen sie diese erst gar nicht zu den potentiellen Kunden – meiner Ansicht nach eine zutreffende Sicht der Dinge.
Bleibt also nur der widersinnige Effekt, dass der Kopierschutz ausschließlich die Käufer verprellt – bei Half-Life 2 und Mass Effect u.a. mich.