Overlord – Raising Hell

Beitrag von chrisch 2 - Januar - 2009

overldord-cover1Alte Vorlieben rosten nicht. Die folgende fünfte Spielekritik widmet sich einem Titel, der uns schon zum ersten Veröffentlichungstermin für den PC aufgefallen war. Aus irgendeinem uns inzwischen entfallenen Grund haben wir den guten Overlord damals Mitte 2007 im Regal stehen lassen. Und siehe da, er ist gereift und hat ein Erweiterungspaket spendiert bekommen. Mittlerweile heisst er also nun Overlord – Raising Hell, kommt in einer schicken Blechverpackung daher und ist mit 30€ gut erschwinglich gewesen. Das war uns den Versuch wert.

Worum geht’s? In der zertrümmerten und geplünderten Turmruine eines nicht näher genannten Dunklen Lords öffnen einige übrig gebliebene Schergen einen Sarkophag im Keller und zerren einen der ehemaligen Gehilfen raus, der ebenfalls überlebt hat (“Los, reibt ihm Säure in die Augen, damit er wach wird”). Der kriegt dann die zerbeulte Wechselgarnitur des Vorgängers übergeworfen. Gratulation, jetzt seid Ihr der neue Overlord, Meister der Finsternis und so. Und jetzt ab mit Euch, Rache nehmen an den sieben Helden!

Natürlich ist ein Overlord nichts ohne seine getreuen Schergen, die auf seinen Befehl hin kontrolliert Amok laufen und ihm Reichtümer zusammenplündern. Und das ist der eigentliche Clou des Spiels – der Meister muss sich prinzipiell nie die Hände schutzig machen (es sei denn, er will es). Statt dessen dirigiert er eine mit der Zeit anwachsende Schar an Goblin-Schergen, die ständig grölend und irrsinnig kichernd hinter ihm herrennt. Und sich für ihn ohne zu zögern in den Tod stürzt, wenn er es befiehlt.

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Was mit wirklich originellen Konzepten beginnt, wird erfreulicherweise auch mit einem guten Spieldesign weitergeführt. Zu Beginn müssen erst einmal mühsam alle vier Sorten an Schergen in den Turm zurückgeholt werden. Diese Schergenarten wiederum werden mit ihren jeweils speziellen Fähigkeiten immer wieder für die Lösung verschiedenster Schwierigkeiten auf dem Weg zur Weltherrschaft gebraucht. Die Braunen sind ungeschlagen im Monster prügeln, die Roten sind feuerfeste Fernkämpfer, die Grünen giftresistente Meuchler und die Blauen wasserresistente Magiewirker – ausser den Blauen teilen sich nämlich sämtliche Schergen die unglaubliche Fähigkeit mit den guten alten Lemmings, in hüfthohem Wasser ertrinken zu können!

Generell können nur die Schergen des Overlords die diversen Hebel und Drehkreuze bedienen, die oftmals Tür und Tor öffnen oder durch enge Passagen wetzen, durch die der Koloss von Meister nicht passt. Sogar das lästige Aufsammeln von Gold und anderen Dingen ersparen sie dem Meister mit Freuden – sie müssen nur in die ungefähre Richtung geschickt werden und eilen freudig mit der Beute zum Meister zurück. Den Einfall finden wir besonders toll!

So wichtig die Schergen sind, gibt es sie aber nur in begrenzter Zahl, denn der Overlord kann an den Rufpunkten nur soviele von ihnen heraufbeschwören, wie er gesammelte Lebenskraft in der zugeordneten Farbe hat. Und diese Lebensenergie bekommt man vorwiegend aus dem Umnieten diverser Tiere, Monster und unglückseliger Bauern. Endlich wissen wir’s, warum Dunkle Herrscher immenseste Vernichtungsfeldzüge führen! Für den aufstrebenden Overlord muss aber hin und wieder eine banale Schafherde herhalten.

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Lebenskraft zu sammeln ist aber nur die Grundlage. Für das eigentliche große Ziel, nämlich die sieben Helden aus dem Weg zu räumen und um die Macht des Overlords zu festigen, steht  Gnarl, der Schergenmeister, als Einsatzzentrale zur Verfügung. Er teilt dem Overlord mit, was denn so an aktueller Schurkerei ansteht, um das Reich zu erweitern, oder gibt lediglich herrlich fiese Kommentare zum Geschehen. Unter seiner Anleitung spürt man denn auch diverse Aufpepper auf, um die eigene Lebenskraft oder die Manavorräte zu erhöhen. Oder ein kleines aber feines Set an Zaubersprüchen, um größere Gegner zu fällen und den Schergenverlust einzudämmen. Oder Schmelzöfen für eine bessere eigene Rüstung, oder sogar Gußformen für Spezialrüstungen, oder oder oder.

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Wo wir gerade bei Rüstungen sind: für den Overlord wird in der turmeigenen Schmiede alles in Spezialanfertigung hergestellt. Die Schergen jedoch nehmen jeden Krempel, der ihnen beim lautstarken Plündern so für die Füße fällt, und nutzen ihn entweder als Waffe, Helm oder Rüstung.

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Und allein das führt zu einem irrwitzigen Haufen an bekloppten Goblin-Schergen, die sich beispielsweise mit Blumensträußen, Golfschlägern, oder Zombiearmen auf die Gegner stürzen (siehe den Screenshot weiter unten). Durch Einfälle wie diese spielt sich das Ganze wie eine furiose Mischung aus dem Humor des ehrwürdigen Dungeon Keepers und einer düsteren Version von Fable.

Das Ergebnis eines Streifzugs durch die Hölle Der Erbosten Ehefrauen

Und sie wird und wird nicht langweilig, da eine Absurdität die andere jagt. Zum Beispiel eine kleine Breakout-Einlage, bei der ein riesig aufgeblähter Halbling mit Hilfe eines Gemüsekarrens in Schach gehalten und gegen diverse Holzverschläge gelenkt werden muss. Die Wahl der geeigneten Mätresse und der Inneneinrichtung des Turms sind auch solche kleinen Sahnestückchen am Rand.

Auch die Helden selbst als Erzfeinde des Spielers sind hervorragende Parodien, da sie inzwischen ebenfalls allesamt dem Bösen verfallen sind und sogar jeweils eine der Todsünden repräsentieren. Sowieso hat man in der Welt des Overlords nichts zu lachen, da irgendwie alles in dieser Welt in verschiedenen Maßen korrumpiert zu sein scheint – muss eine fiese Schlacht mit dem unbekannten Vorgänger des Overlords gewesen sein. Da ist es gewiss auch kein Zufall, dass der Overlord aussieht wie die kleine Fassung von Sauron. Passend dazu kann man sogar entscheiden, ob man lediglich mit eiserner Faust herrschen – also in dieser Welt einem Helden noch einigermaßen nahe kommen – oder wirklich apokalyptisch wüten will.

Passend zur sehr hohen spielerischen Qualität gibt es auch technisch nichts zu meckern. Die Grafik ist bezaubernd schön und für 2007 in ihren Hardware-Anforderungen recht genügsam – der Overlord läuft bei uns schneller als Fable und sieht auch eine kleine Ecke besser aus (haben wir eigentlich schon erwähnt, dass uns Overlord an Fable erinnert? Vor allem wegen dem Weichzeichner-Effekt, der auch im HdR sooo oft zu sehen war?). Auch die Synchronisierung ist immerhin noch anständig, die Soundkulissen erstklassig.

Fazit: Wenn euch auch die geistigen Väter Dungeon Keeper und Fable gefallen haben, könnt ihr hier nicht danebengreifen. Oder wenn ihr Spiele mögt, die euch mit einem Augenzwinkern in die Rolle des Bösewichts schlüpfen lassen. Wir finden jedenfalls, es ist ein ganz großer Titel.

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