Filmkritik: Franklyn

Beitrag von phil 15 - März - 2009

Franklyn - FilmkritikZum hierzulande relativ unbekannten Film Franklyn hatten wir vor einiger Zeit bereits einen sehr hübschen Trailer gepostet und konnten uns gestern – Fantasy Filmfest Nights sei Dank – selbst davon ein Bild machen, ob Erwartungshaltung und Qualität miteinander übereinstimmen oder ob ein Trailer mal wieder mehr verspricht, als der Film letztlich zu halten im Stande ist. Und eins vorweg: Wer aufgrund des Trailers mit einer barockesken und dystopischen Zukunftsvision á la V for Vendetta gerechnet hat, der wird jämmerlich enttäuscht werden. Franklyn ist mehr als Science-Fiction oder Society-Fiction, so wie es der Trailer uns weis machen will. Inhaltlich basiert Franklyn auf vier separanten Handlungssträngen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben und erst im Schlussakt zusammengeführt werden…

Auf der einen Seite steht die Geschichte von Jonathan Preest, eine Art maskierter Rächer in der von Religion und Glauben dominierten Stadt Meanwhile City, der sich auf der Suche nach The Individual – den er auszulöschen gedenkt – mit allerhand Gesindel und den Schergen der klerikalen Obrigkeit herumschlagen muss. Im Londen unserer Zeit sind drei weitere Fremde auf der Suche: Ein Vater such seinen verlorenen Sohn, eine exzentrische Kunststudentin sucht etwas “Echtes” und “Erschütterndes” in ihrer eigenen Kunst und schreckt dabei auch nicht vor inszenierten Selbstmordversuchen zurück, die sie per Videokamera festhält. Und schlussendlich gibt es dann auch noch einen jungen Mann, der die Liebe verloren hat und seine Jugendliebe wiederfindet…

Den Inhalt detaillierter zu beschreiben, würde bedeuten, etwas von der Faszination des Films zu nehmen. In den knapp 100 Minuten wird der Zuschauer durch eine wunderbare Geschichte geführt, die die Gradwanderung vollbringt, die Themen Glaube und Schicksal zu verwenden, ohne dabei in zutiefst christliche Motive oder sonstige Klischess abzudriften. Das Spiel mit den verschiedenen Erzählsträngen lässt den Zuschauer bis kurz vor Schluss über die diversen Zusammenhänge im Ungewissen. Dadurch entsteht eine Art collagenhafter Charakter. Bei einer solchen Inszenierung besteht natürlich die Gefahr, dass der Regisseur früher oder später den Faden verliert, wodurch der Zuschauer den Film dann entweder nicht mehr nachvollziehen kann oder aber irgendwann das Interesse an den Geschehnissen verliert. Diesbezüglich können wir allerdings Entwarnung geben: Alle größeren, gefährlichen Untiefen, die eine solche Inszenierung nach sich zieht wurden gekonnt umschifft, auch wenn hier und da Fragen offen bleiben und man am Ende dann doch leicht in die fast schon obligatorische Kitsch-Kiste greift. Der positive Gesamteindruck des Films wird dadurch jedoch nicht geschmälert.

Die Hauptrollen sind mit Eva Green (Casino Royal, Königreich der Himmel), Ryan Phillippe (Eiskalte Engel) und Sam Riley (Control) sehr gut und glaubhaft besetzt, auch wenn Ryan Phillippe hier etwas abfällt. Riley und Green können jedoch mit ihren Rollen voll überzeugen und auch die diversen kleineren Nebenrollen sind adäquat besetzt. Auf schauspielerischer Ebene erfährt der Zuschauer zwar keine künstlerische Offenbarung, aber gute Darstellungen von charismatischen Charakteren.

Optisch geizt der Film auch nicht mit seinen Reizen. Die Szenen in Meanwhile City sind alle sehr beeindruckend und erinnern in ihrer Düsternis etwas an Dark City. Aber auch die weniger spekatkulären und effektheischenden Szenen im realen London sind aus optischer Sicht durchaus gelungen und stilvoll in Szene gesetzt. Allen voran der von Eva Green’s Charakter inszenierte Selbstmordversuch oder das große Finale, in dem alle Handlungsstränge gekonnt kulminieren.

Franklyn ist in seiner Gesamtheit eher ein Thriller-Drama und hat nur vordergründig etwas mit der Dystopie zu tun, die im Trailer so offenkundig proklamiert wird. Wirkliche Schwächen hat der Film keine – wenn man mal von der irreführenden Marketingkampagne absieht – und überzeugt durchaus als gelungenes Verwirrspiel, auch wenn der erfahrene Kinozuschauer die endgültige Kulmination irgendwann vorauszusehen vermag. Wer allerdings Lust auf einen sehr ungewöhnlichen Thriller verspürt und keine Hemmungen vor diversen fantastischen Elementen hat, dem sei Franklyn wärmstens empfohlen. Ein gute Produktion aus Großbritannien, die mal wieder zeigt, dass in Sachen Non-Konformität die europäische Filmindustrie der amerikanischen einiges voraus hat.

Rating: ★★★½☆

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Ein Kommentar zu “Filmkritik: Franklyn”

  1. [...] Franklyn war nicht der einzige Film, den wir uns auf der Veranstaltung Fantasy Filmfest Nights in Stuttgart anschauen wollten und da passte es wunderbar ins Bild, dass direkt im Anschluss Dead Snow gezeigt wurde. Manch einer wird sich noch an den abstrusen Trailer erinnern, den wir vor einiger Zeit unter dem Titel Nazi Zombies from outer Space – in Anlehnung an Ed Wood’s Plan 9 from outer Space – rausgehauen haben. Dieses irrsinnige Szenario aus Schnee, Bergen, einer handvoll junger Menschen und einer ganzen Horde fahler Untoter in SS Uniformen hat uns so nachhaltig “beeindruckt”, dass wir um die ausführliche Begutachtung dieses Machwerks nicht herum kommen konnten. Das Szenario bzw. die Geschichte ist dabei ebenso simpel wie stumpfsinnig, versprach allerdings einen wirklich unterhaltsamen Kinoabend: [...]

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