Onkel Zom’s Hütte

Beitrag von chrisch 15 - März - 2009

fido_filmposter1Wir haben schon viel zu lange nichts mehr über Zombies geschrieben, und das geziemt sich nun überhaupt nicht für einen Blog der Untoten. Da trifft es sich gut, dass wir jüngst in die Videothek geschlurft sind, um einenn möglichst irrsinnigen Film auszuleihen. Nach einigem Hin und Her haben wir auch was Angemessenes gefunden: Fido. Ein toller Name für einen Zombie-Film. Und so sieht das Cover aus:

Worum geht’s? Also uns kommt’s so vor, als spielte das in einer zu Fallout parallelen Realität! Die Welt ist die des spießbürgerlichen Amerika der 50er Jahre, das einen Zombiekrieg hinter sich hat. Eine intergalaktische Strahlungswolke ist über den Globus gefegt und hat alle Tote in Zombies verwandelt, und der darauf folgende Große Zombiekrieg führte dann dazu, dass die Welt in voneinander abgegrenzte sichere Vorstadt-Idyllen zerfallen ist, umgeben von Todeszonen, in denen die Zombies rumwanken. Das Ganze wird einleitend in einem Schwarzweiß-Werbefilm der ZomCon erläutert, einem Großkonzern, der irgendwas Allmächtiges zwischen nationaler Armee, militärischen Pfadfindern und allumfassender Bürgerwehr ist. Selbstverständlich lässt sich ZomCon ihre Dienste zum Schutze der Menschheit höchst fürstlich entlohnen. Gerade wegen der Werbefilm-Idee und den Setting der amerikanischen 50er hatten wir auch die Assozioation zu Fallout – eine zutiefst bitterböse Welt, die mit Gute-Laune-Euphemismen und einem kräftigen Patriotismus-Appell übertüncht wird (erinnert ihr euch noch an den dauergrinsenden PIP-Boy?)

Die ZomCon hat nicht nur die Zombies besiegt, sie hat auch Zombie-Kontrollhalsbänder erfunden – und dank denen können sich die Überlebenden in den Enklaven Zombies als Sklaven halten, ohne dass Letztere sie anfallen. Die Familie Robinson ist die einzige Familie, die noch keinen Zombie-Diener hat, da der verstörte Vater sie wegen seiner Erlebnisse im Zombie-Krieg nicht ertragen kann, aber dessen Frau Helen setzt sich schließlich darüber hinweg, um nicht der andauernden Verachtung der anderen Mitspießbürger ausgesetzt zu sein. Ihr Sohn Timmy schließt daraufhin sogar Freundschaft mit dem Zombie, da er selbst keine anderen Spielkameraden im Ort hat, er gibt ihm sogar den Namen Fido. Danach – und nach einer Fehlfunktion in Fidos Halsband – kommt etwas zombiale Unordnung in das scheinheil(ig)e Örtchen.

Wie schon erwähnt trieft der Film nur so vom ätzender Gesellschaftskritik. In Fidos Welt ist jeder verdächtig, der den Normen nicht entspricht, und jeder muss seine bürgerliche Fassade so glänzend putzen, wie es nur geht, um etwas zu gelten. Die Kinder erhalten in der Grundschule Schießunterricht auf Zombiezielscheiben. In jedem Raum der Familie Robinson hängen Waffen herum, natürlich auch im Kinderzimmer. Ultra-Militaristen aus dem Zombiekrieg sind an allen Ecken und Enden anzutreffen und werden als Nationalhelden gefeiert. Die ZomCon-Jugendwehr zieht alle diejenigen an, die am liebsten aus Zeitvertreib auf alles mit Waffen schießen würden. Toleranz wird nicht gerade als das Wichtigste angesehen, denn damit kann ja wohl niemand die Welt vor der Zombieherrschaft bewahren. Statt dessen ziemt es sich für die überlegene Menschheit, die Zombies nicht einfach zu vernichten, sondern sie fachgerecht zu unterwerfen. Die Art und Weise, wie die “gezähmten Zombies” von ihren Herren behandelt werden, erinnert sofort an die ehemaligen Sklavenhalter in den Südstaaten.

Dazu kommt einfach die Absurdität der Szenerie an sich. Zeitungsjunge, Milchbote, Hundegassiführer, Rasenmähermann, Fabrikarbeiter, Autowäscher, Gärtner… selbsverständlich alles grauhäutige, stierende Zombies, die murrend durch die Kleinstadt wanken. Jedermann spart auf die sündhafte Beerdigung mit Kopfsarg, die garantiert, dass man nicht als Zombie zurückkehrt. Die Vision dieser Welt und auch die Darstellung der sozialen Untiefen sind sehr gut dargestellt und ausgeleuchtet, nur einige Passagen im Film ziehen sich etwas in die Länge und hätten noch neben dem Ideenfeuerwerk noch etwas mehr Pep in der Handlung gebraucht.

Alles in allem bleibt aber ein sehr unterhaltsamer Film, den jeder Liebhaber des Zombie-Genres oder des Absurden auf jeden Fall sehen sollte.

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