Filmkritik: Dead Snow

Beitrag von phil 16 - März - 2009

dead-snowFranklyn war nicht der einzige Film, den wir uns auf der Veranstaltung Fantasy Filmfest Nights in Stuttgart anschauen wollten und da passte es wunderbar ins Bild, dass direkt im Anschluss Dead Snow gezeigt wurde. Manch einer wird sich noch an den abstrusen Trailer erinnern, den wir vor einiger Zeit unter dem Titel Nazi Zombies from outer Space – in Anlehnung an Ed Wood’s Plan 9 from outer Space – rausgehauen haben. Dieses irrsinnige Szenario aus Schnee, Bergen, einer handvoll junger Menschen und einer ganzen Horde fahler Untoter in SS Uniformen hat uns so nachhaltig “beeindruckt”, dass wir um die ausführliche Begutachtung dieses Machwerks nicht herum kommen konnten. Das Szenario bzw. die Geschichte ist dabei ebenso simpel wie stumpfsinnig, versprach allerdings einen wirklich unterhaltsamen Kinoabend:

Eine Reihe frivoler und infantiler, norwegischer Medizinstudenten verschlägt es für ein Wochenende in eine einsame Berghütte irgendwo im Nirgendwo. Soetwas wie Handy-Empfang ist – absolut obligatorisch für einen solchen Film – natürlich nicht vorhanden und so kann das Unheil getrost seinen Lauf nehmen. Was die Jungs und Mädels nämlich nicht wissen ist die Tatsache, dass hier zur Zeit des zweiten Weltkriegs annähernd 300 Nazi-Schergen unter der Leitung eines gewissen Oberst Herzog den Tod fanden. Nebenbei existiert da auch noch ein kleiner aber feiner Goldschatz, der damals mit ein Auslöser für die dramatischen Ereignisse war und über den unsere ahnungslosen Studenten natürlich stolpern müssen. Es kommt wie es kommen muss: Der Schatz führt zur Erweckung der Untoten und damit zum ebenfalls obligatorischen Zehn kleine Negerlein-Prinzip (Bitte entschuldigt, die in diesem Zusammenhang politisch nicht korrekte Wortwahl!), mit dem nun ein munteres Stelldichein aus Spannung, Splatter-Elementen und Situationskomik einhergeht.

So kurz, so sinnfrei. Was Regisseur Tommy Wirkola allerdings aus diesem Szenario herausholt ist wirklich aller Ehren wert. Auch wenn der Film etwas dröge beginnt, baut er innerhalb des ersten Drittels eine sehr dichte Spannung auf, die vielleicht nicht frei ist von Klischees, aber durchaus funktioniert und unterhält. Mit Beginn des zweiten Drittels folgt dann die blutige und wirklich sehr einfallsreiche inszenierte Dezimierung der Protagonisten. Und darin liegt die eigentliche Stärke des Films. Während die hierzulande unbekannten Schauspieler und deren Leistung bestenfalls Mittelmaß sind, können die diversen Aufeinandertreffen mit den Untoten voll überzeugen und variieren zwischen harter Kost und spannungsentladender Komik. Hier merkt man dem Film an, dass er sich selbst und trotz einiger wirklich harter Szenen nicht Ernst nimmt. Und das ist auch gut so.

Im letzten Drittel von Dead Snow wird dann die ohnehin schon abstruse Geschichte so stark übersteigert, dass es fast schon ins comichafte abdriftet. Da die Mischung aus schwarzem Humor und blutigem Ernst aber immer noch stimmt, nimmt man das dem Film nicht wirklich übel. Im Gegenteil, einige Szenen und Einfälle sind so aberwitzig, dass man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt. Da stört es auch nicht, dass die Zombies in Dead Snow, im Gegensatz zu George A. Romeros Dawn of the Dead, keine dummen und langsamen Zeitgenossen sind, sondern mit gar nicht so untoter Geschwindigkeit und durchaus koordiniert durch den tiefen Schnee jagen.

Dead Snow ist ein riesengroßer Spaß für all diejenigen, die sich mit einer Schnittmenge aus Spannung, Splatter und überzeichneter Komik anfreunden können. Das Hirn kann man dabei allerdings getrost an der Kinokasse abgeben. Zartbesaitete, Menschen ohne Sinn für tiefschwarzen Humor und Zombie-Puristen, die sich mit der schnellen Gangart der Untoten allerdings nicht anfreunden können oder wollen, sei jedoch von Dead Snow abgeraten. Wir hatten unseren Spaß!

Rating: ★★★☆☆

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Ein Kommentar zu “Filmkritik: Dead Snow”

  1. Nerdsnacks sagt:

    Werde mir den Film demnächst mal zu Gemüte führen. Der Trailer verspricht ja schon Spaß.
    Dass man nicht überragende Schauspieler und eine packende Story erwarten kann ist ja fast klar. Ich kenne glaube nicht einen Zombiefilm, der beides zu bieten hat.

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