Terminator 4 – Die Zerbröselung

Beitrag von chrisch 11 - Juni - 2009

Vor zwei Tagen haben wir uns den neuen Terminator-Schinken im Cinéma angeschaut, weil wir uns der Reihe verpflichtet fühlen, denn die ersten beiden Teile sind für uns Kult, der dritte Teil eine recht gut gelungene Fortführung (obwohl es da auch ganz andere Meinungen gab). Also wollten wir – mit hübsch viel Popcorn zur Sicherheit – mal schauen, was denn so im vierten Teil passiert. Leider hatten wir das Popcorn vergessen.

terminator4_1

Also, Leute, ab hier ist ausgiebiges Spoiler-Gebiet. Wenn ihr den Film sowohl noch nicht gesehen habt als auch vorhabt, das noch zu tun, dann schaut mal ab hier weg. Oder ihr kommt danach wieder hierher und lugt, ob es uns ebenso ergangen war wie euch.

Nun denn. Dass der Film Popcorn-Kino ist – wie auch seine Vorgänger -, war völlig klar, und dass er vollgestopft mit Special-Effects ist, ebenso. Auch das die Menge viel höher liegen wird als in den Vorgängern, war zu erwarten. Das hat uns zwar nicht begeistert, aber auch nicht abgeschreckt. Optisch ist der Film unserer Ansicht nach gut gelungen und lehnt an den Zukunftsvisionen der Vorgänger an, auch der Sound hat uns trotz ständiger Explosionen und Geschrei nicht übermäßig totgeschlagen. Also für uns war er technisch akzeptabel bis gut, nicht Besonderes jedenfalls und auch keine bösen Überraschungen, sondern genau das, was wir anhand des Trailers erwartet hatten. Ebenso wie die Wegwerf-Dialoge, die waren eigentlich auch erwartet und verkraftbar.

Aber: das gilt nicht für die Story. Fairerweise muss man sagen, dass die nun auch bei den Vorgängern nicht allzu tiefgehend war. Und kleinere dramaturgisch bedingte Mängel hatten sie damals auch schon (z.B. warum es ein Terminator nicht schafft, einen Menschen mit einem Schlag zu töten – weil dann der Film schnell rum wär…). Auch andere Dummheiten der Terminatoren bei der Jagd konnte man, wenn man den Vorgängern wohlgesonnen wie wir war, damit erklären, dass sie in völlig ungewohntem Terrain agierten oder mies programmiert waren :)

Aber Teil 4 hat nun soviele Inkonsistenzen, dass wir etwas genervt davon waren. Anscheinend ist ganz SkyNet brotdumm programmiert. Hier mal eine nicht unbedingt vollständige Bug-Liste. Fairerweise haben wir gewiss auch einzelne Details übersehen und liegen teilweise falsch – Kommentare hierzu sind natürlich willkommen:

———

- Die Maschinen wollen Connor und Reese töten. Letzteren haben sie schon, Ersteren locken sie ins HQ. Das gelingt ihnen sogar. Alles paletti, Eingangstor zu, Connor in die Luft sprengen, Reese in der Zelle abmurksen, finito, gewonnen. Passiert aber nicht, echter Patzer seitens SkyNet. Storytechnisch volkommener Humbug, entweder man beschreibt SkyNet nicht als hochintelligente Killermaschine, oder man lässt eine solche Situation nicht aufkommen. So aber ist es lächerlich.

- Offensichtlich kommt SkyNet nicht auf diese Idee oben, sondern auf was viel Komplizierteres. Es lässt Connor *bis direkt vor die Zelle* vor – vollkommen sinnlos! Und dann schickt es einen nackten Arnie-T800 ohne Waffen! Wieso?!

- Währenddessen diskutiert das Netz mit dem Hybriden herum, bis es ihn endlich soweit hat, zu rebellieren. Wieso hat es ihn überhaupt nochmal aufgeweckt, seine Funktion war erfüllt? Wieso erklärt es ihm seinen Plan? Und wieso hat es keine Funksprengladung drin, falls das Ding sich gegen sie auflehnt? Mit rebellierenden Menschen sollte sich SkyNet eigentlich auskennen.

- Wieso braucht der T800 ewig, bis er das Herz des Hybriden als Schwachstelle erkennt? SkyNet hat das Ding gebaut, kannte daher auch die Schwachstellen und kann die Information dem T800 mitgeben – Speicher ist billig.

- SkyNet hat sicherlich Zugriff zu sämtlichen Militärdossiers der USA. Da sollten genug Informationen drinstehen, wie ein Metallmann einen Menschen mit einem Schlag töten kann (statt ihn fünfmal an diverse Wände und Maschinen zu detschen). Aber gut, das war ja wie erwähnt schon in allen Filmen so.

- Das HQ hat einen hybridfreundlichen Netzzugang, Kameras, auf denen er seine Rebellenfreunde in Not sehen kann, menschenbegehbare Gänge, das alles auf Hochglanz. Nur, wieso? Davon hätten höchstens Terminatoren was, und die sind Fronteinheiten.

- Zur selben Kategorie von Schnickschnack gehört auch die Alarmsirene, die ertönt, als der T800 Connor mit dem Aufzug in die Fertigungsanlage nachfährt. Welche Maschine braucht denn eine Alarmsirene oder Drehlampen? Oder überhaupt Beleuchtung im gesamten Komplex, da ja sämtliche Einheiten mit Infrarotkameras ausgestattet sind, wie wir wissen.

- Als der T800 Connor endlich in der Fabrik hat, springt der Hybrid aus dem Nichts hervor, um den Helden zu retten. Wir nennen das mal den Eragon-Effekt. Also war SkyNet so dämlich, den Hybriden zu aktivieren, rebellieren zu lassen, ihm den Standort von Connor und dem T800 zu verraten und obendrein die Türen bis dorthin nicht zu verriegeln.

- Connor beschwört seine Kameraden, den Angriff auf das HQ von Skynet nicht durchzuführen, weil “wir sonst nicht anders sind als die Maschinen”. Wenn das mal keine unwiderlegbare Argumentation ist! Hätt’ er mal lieber gesagt, dass dort drin Gefangene sind, das hätte  uns als Soldaten zumindest zum Überlegen gebracht – nicht so ein 0815-Schwulst.

- Connor und Reese werden am Ende von den verbliebenen Rebellen aus dem HQ rausgeschippert. Moment mal! Wie kamen die denn rein? Das “Abschaltsignal” war eine Finte, demnach ist die gesamte Basisverteidigung des HQs noch aktiv (außer vielleicht dem BattleMech-Nordturm…). Und angeblich haben die Rebellen nie den Angriff gewagt, weil die aktive Verteidigung zu stark wäre?! Super-Käse!

- Maschinen lassen sich von einzelnen Ködersprengungen in einem finsteren Tal anlocken. Aber bei der Flucht des Hybriden aus der Rebellenbasis setzen die Kerle die gesamte Umgebung in Brand und ballern ewig herum. Hmm, ob das dann nicht ein wenig auffällig ist?

- Die SkyNet-Motorräder können wie der Teufel Abrissfahrzeuge verfolgen und Alternativrouten um fliegenden Schrott herum berechnen. Aber ein gespanntes Connor-Seil (aus welchem Material auch immer) ist für sie die perfekte Falle.

- Nochmal die SkyNet-Motorräder: offensichtlich eine komplette Neuentwicklung seitens SkyNet. Wie rücksichtsvoll von der KI, normale menschenkompatible und damit rebellenfreundliche Kontrollen dran anzubringen. Sonst hätte Connor ziemlich dumm da gestanden, wenn er das gefangene Motorrad gar nicht verwenden kann…

- Der unglaublich lärmende BattleMech-Terminator am Anfang hat es geschafft, sich samt Transportflugzeug lautlos an die Tankstelle anzuschleichen und dann überraschend zwei Leute zu packen. Und die tolle Gang hat anscheinend auch keine Wachposten aufgestellt, denen das auffallen könnte. Die SkyNet-Flugzeuge sind übrigens unglaublich laut, ein Hunterkiller kann z.B. im Vorbeifliegen marode Hochhäuser zum Einsturz bringen. Aber auch das war bei dieser Szene nicht zu hören.

- Und zum Abschluss die Riesenfrage: nach all den Fehlentscheidungen SkyNets beim Endkampf im HQ und der Auslöschung des T800 müsste der KI doch folgende letzte Option einleuchten: einfach das ganze HQ mit einer Atombombe einebnen und damit garantiert Connor und Reese erwischen (und vielleicht auch die Rebellen, die es durch reine Nachlässigkeit in die Basis geschafft haben). SkyNet braucht nämlich nachweislich nicht das HQ zum Weiterbestehen (sieht man ja am Filmende), und die T800-Fertigung lässt sich gewiss auch woanders wieder aufbauen.

———

Naja. Wir hätten unbedingt doch Popcorn mitnehmen sollen. Letztendlich haben wir uns darüber geärgert, dass mit solchen Drehbüchern Geld verdient wird – die Aufteilung hier zwischen Lob und Kritik verdeutlicht das wohl auch. Für uns erscheint die neue Trilogie nach diesem Startfilm nur als reine blanke Marketing-Maschine, die vom früheren Ruhm leben wird, und bei der man seine storykritischen Fragen getrost an der Kasse abgeben darf.

Share
Einem externen Dienst hinzufügen:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • email
  • LinkArena
  • LinkedIn
  • Live
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • MySpace
  • Print
  • Reddit
  • Slashdot
  • StumbleUpon
  • Technorati
  • Tumblr
  • Wikio
  • Yigg

3 Kommentare zu “Terminator 4 – Die Zerbröselung”

  1. JPJ sagt:

    Naja ich finds ja fast schon gemein auch noch Zeitreise-Paradoxa reinzunehmen.. aber ganz ehrlich, wenn schon der eigentlich Aufhänger ist, dass Reese überleben muss, damit es Connor gab und den Maschienen das anscheinend auch bewusst war.. weshalb nicht einfach Reese sofort futsch machen und sich den ganzen “wir locken Connor in die Basis” Kram sparen?

  2. Marco sagt:

    Warum auch nicht einfach Reese’ Mutter töten? Oder seine Oma? Oder seinen Vater irgendwie impotent machen? Also wenn ich eine Zeitmaschine hätte, würde ich damit eine Menge Spaß haben *g*

    Den Film hab ich gestern erst gesehen und mir sind auch einige Schwachstellen an dem Film aufgefallen, die ihr genannt habt… aber wisst ihr was? Ich fand den Film richtig gut, weil er sich super zu den anderen einordnet, die ja auch so ihre Schwachstellen hatten. Der zweite Teil bleibt übrigens mein Lieblingsfilm der Reihe und steht auch so recht weit oben in der Liste der besten Filme, die ich jemals sah *g* So in den Top 30 irgendwo ;)

  3. chrisch sagt:

    Ja, wie gesagt, Zeitreise-Paradoxa sind eigentlich nahezu immer ein Instant-Killer für die Story. Insofern bin ich da nicht allzu tief druaf eingegangen.
    Ich finde den Film auch nicht schlecht, aber eben auch nicht gut, höchstens Popcorn-würdig. Und das liegt eben daran, dass die übermächtigen Maschinen unglaublich viel dummes Zeug anstellen (müssen), damit die Rebellen eine Chance haben. Das unterscheidet ihn auch zu den Vorgängern.

Schreibe einen Kommentar

Anzeigen