Einmal mehr ist es Zeit für ein 10€-Experiment-Review: Spielekritik sechs beschäftigt sich mit dem spanischen Titel “The Abbey”. Es wurde unlängst in einer “Neuen Edition” sprich Version 1.1 angepriesen, die im Gegensatz zur vorangegangenen Version nun sogar stabil sein soll. Neue stabile Editionen lieben wir als Zocker zweiter Reihe sowieso, also schlugen wir zu.

Worum geht’s? Um ein ganz klassischen Point&Click-Adventure mit zeitgemäß aufgepeppter Comic-Grafik, die eine kleine Mischung aus traditionellen Bitmaps und 3D-Technik ist. Inhaltlich klingt die gebotene Geschichte seeeehr vertraut: in einem abgelegenen spätmittelalterlichen Kloster passiert ein rätselhafter Mord, und ein Mönch, der für seine scharfsinnigen Ermittlungen berühmt ist, wird zu Hilfe gerufen. Der kommt dann zusammen mit seinem jungen Gehilfen freilich noch ganz anderen Dingen auf die Spur, die in der Abtei so stattfinden, vor allem in der verbotenen Bibliothek, in der nachts gleichsam verbotene Lichter scheinen…
Erinnert an irgendsoein Buch, wir glauben von irgendeinem Öko oderso… Spaß beiseit’, die Geschichte bedient sich zu Beginn schon stark an der offensichtlichen Vorlage “Der Name der Rose” von Umberto Eco. Dankenswerterweise wird sie dann aber in andere Richtungen weitergeführt und bleibt auch wohlgeordnet nachvollziehbar.
Das Spiel verdient es, als klein, aber fein bezeichnet zu werden. Die vier Abschnitte, verteilt über zwei Handlungstage, sind eigentlich recht kurz, und die Örtlichkeiten und Charaktere sind naturgemäß überschaubar, denn es handelt sich ja um ein Kloster und seinen obskuren Mikrokosmos. Letztendlich haben uns eher die extreme Einsilbigkeit des Hauptcharakters Leonardo (der bei falschen Gegenstandkombinationen immer nur ein “Das klappt so nicht”-Derivat von sich gibt) und ein zwei wirklich fies versteckte Gegenstände aufgehalten.
Der Schwerpunkt liegt auch ganz klar woanders: uns hat uns die Atmosphäre des Klosters in den Bann gezogen. Das Spiel hat etwas sehr Ruhiges an sich – auch der Meister und sein Lehrling schreiten stets andächtig durch die Szenerie, glücklichweise mit Doppelklicks auf Ausgänge überspringbar -, die Dialoge sind sehr schön übersetzt und die Synchronsprecher schlichtweg spitze (wir glauben beispielsweise, zumindest die DS9-Sprecher für Brunt und Weyun ausgemacht zu haben). Dadurch machen die Konversationen richtig Freude, weil sie wirklich an einen guten Kinofilm erinnern (die Mimik leider nicht immer). Auch die Art und Weise, wie Leonardo streng autoritär seinen Gehilfen Bruno triezt, fügt sich gut in die allgemeine mittelalterliche Stimmung, und als Abrundung ist die musikalische Unterlegung auch ganz ordentlich.

Außerdem lebt dieses Adventure auch von seinem feinen Witz, von dem es durchzogen ist. Wenn man weiß, dass das Drei-Mann-Team von Alcachofa Soft auch die Clever&Smart-Adventures entwickelt hat (von denen Crimson Cow eines auch wie eben “The Abbey” in Deutschland publiziert hat), überrascht das nicht.
Fazit: Ein kurzes, sehr stilvolles Vergnügen, dass die 10€ allemal wert ist.
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