Nachdem wir ungefähr zwei Monate lang gespannt waren, ob der Film denn auch einlöst, was der Trailer verspricht, haben wir ihn gestern nun im Kino konsumiert. Rausgekommen dabei ist bei allen Beteiligten die Meinung, dass er an sich ganz gut sei; aber aus unserer Sicht liegt seine Schwäche darin, dass er sich nicht so recht entscheiden kann, was er will.

Worum geht’s? Ein gigantisches Alienschiff taucht überraschend über einer Metropole auf und verharrt dort schwebend. Im Gegensatz zu “V” jedoch ist das erfrischenderweise nicht irgendeine US-Großstadt, sondern Johannisburg der Republik Südafrika. Und es geschieht weiter… nichts. Bis nach ein paar Wochen sich internationale Einsatzteams Zugang verschaffen und ca. eine Million insektenartige Zweibeiner finden, die dort rätselhafterweise völlig unterernährt in fast vollständiger Dunkelheit eingesperrt sind.
Für die Aliens wird ein Flüchtlingslager vor Johannisburg eingerichtet, der Distrikt 9. Der dient vordergründig als sicherer Hafen für die Aliens, aber es wird ziemlich schnell klar, dass weder die speziell eingerichtete globale Behörde MNU noch die Bewohner Johannisburgs großes Interesse an humanitärer Hilfe haben, sondern an den Alientechnologien und -Genen.
Der Film ist klar zweigeteilt: er beginnt als Reportage, die sich auf den Hauptcharakters des rückgratlosen MNU-Angestellten Wikus van der Merwe konzentriert und auf die Aussagen diverser Arbeitskollegen, Zeitzeugen etc., die auch schon grob erahnen lassen, dass etwa zwanzig Jahre nach der Ankunft der Aliens etwas Außergewöhnliches passiert ist und Wikus dabei ungewollt die Schlüsselrolle innehatte. Diesen Teil fanden wir eindeutig den Stärkeren, sowohl optisch als vor allem inhaltlich. Optisch deswegen, weil er aus einer Mischung von Kameramitschnitten im Distrikt und fingierten Beiträgen für Nachrichtensender besteht, weil er eine ungewohnte Ästhtetik hat. Und inhaltlich einfach deswegen, weil er ganz eindeutig die knallharte Realität und Brutalität von Flüchtlingslagern beschreibt. Man kann sich sehr leicht eine beliebige menschliche Minderheit an Stelle der Aliens hindenken, und genau das ist auch beabsichtigt. Ohne hier zuviel verraten zu wollen, weisen wir hier nur auf die Art und Weise hin, wie die MNU im Laufe des Films die Aliens umsiedeln will – man kann sich nur zu gut ausmalen, dass das in der Realität genau so stattfindet.
Der zweite und leider längere Teil des Films reduziert sich nach dem vielversprechenden Anfang auf eine recht simple Hollywood-Geschichte mit vorhersehbaren Söldner-Schurken und Wendungen, die dann auch vom Reportagen-Stil zu einem konventionellen Stil wechselt. Dafür wird dann eher eindrucksvoll – und ausgesprochen brutal – geballert, um den klassischen Genre-Erwartungen zumindest etwas gerecht zu werden. Dadurch soll der Film auch Action-Liebhaber ansprechen, denen der Rest zu langatmig ist; wir fanden es inhaltlich schade und hätten mehr vermeintliche Langatmigkeit geschätzt, aber letztendlich muss sich ein Film wohl auch kommerziellen Faktoren beugen.
Und so kommen wir eben zu unserer Einschätzung eines interessanten, aber deutlich zweigeteilten Filmes, der eine Genre-Mischung versucht und beim Sprung ein wenig in der Mitte hängenbleibt. Schade, er hätte das Potential gehabt, noch viel eindrucksvoller zu werden. Er hat übrigens ein eindeutig offenes Ende; wir fürchten nur, dass ein eventueller Teil zwei eine vollständige Actionklamotte werden wird, um eben “erfolgreicher” zu sein.
Hehe, da bist du mir mit deiner kritik zuvor gekommen. aber ich teile deine einschätzung zu 100%. ab dem zeitpunkt als sich wikus in district 9 versteckt wird der film furchtbar konventionell. schade, da hätte man wirklich mehr draus machen können.
vielleicht hätte man noch was zu den offensichtlich gesellschaftskritischen untertönen schreiben können, aber inhaltlich bin ich – wie gesagt – ganz deiner meinung.
Ich konnte es auch nicht abwarten und habe mir den Film, der zuvor von Kritikern so hoch gelobt wurde, zeitnah im Kino angesehen.Ich fand den Film einfach genial. Wenn man bedenkt, dass die nicht gerade viel Geld in das Projekt gesteckt haben, zumindest verglichen mit großen Produktionen.
Einzige Kritik: Das Film-Material, dass das Dokumentarische herausheben soll, hat mir optisch nicht zugesagt.