Laut der New York Times zählen die Romane von Robert Charles Wilson zum Besten, was die Science-Fiction momentan zu bieten hat. Allen voran das 2006 mit dem Hugo Award als Bester Science-Fiction Roman ausgezeichnete Buch Spin. Der Roman handelt in erster Linie vom jungen Tyler Dupree der eines Tages miterleben muss, wie die Sterne verschwinden und den Himmel dunkel werden lassen. Hintergrund ist ein Energieschirm, welcher von einer außerirdischen Macht, die von den Erdenbewohnern als die “Hypothetischen” bezeichnet werden, erzeugt wurde und die Welt in einer Art Zeitblase gefangen nimmt. Während die Zeit für die Menschen in erster Linie ganz normal weiterläuft, verstreichen draußen im Universum Jahrtausende und Jahrmillionen. Schnell wird klar, dass die Sonne innerhalb weniger Erdenjahrzehnte zu verglühen droht, was unweigerlich das Ende der Menschheit nach sich ziehen würde.
Wer jedoch denkt, dass das den Auftakt einer hysterischen Space Opera darstellt, der wird schnell eines besseren belehrt. Der Spin stellt in erster Linie einen Aufhänger für die dystopische Grundausrichtung der Geschichte dar. Was passiert mit Staaten, Organisationen, dem Glauben, der Gesellschaft und vor allem den Menschen selbst, die sich unaufhaltsam und schleichend aber dennoch unabrückbar ihrem Ende nähern? Im Mittelpunkt der Geschichte stehen dabei der spätere Arzt Tyler Dupree, sowie die beiden Lawton-Zwillinge Diane und Jason, mit denen Tyler bereits seit seiner Kindheit in tiefer Freundschaft verbunden ist. Während Diane sich in den Jahren nach Erscheinen des Spins verschiedenen neuen Glaubensrichtungen hingibt und ihr Heil in der spirituellen Erlösung sucht, widmet Jason sein ganzes Leben der Erforschung des Spins und steht letztlich an der Spitze des Raumfahrtkonzerns Perhelion. Neben den gesellschaftlichen Veränderungen von annähernd dystopischen Ausmaßen, stellt sich jedoch immer die Frage: Wer ist für den Spin verantwortlich? Welchem Zweck dient er und wie kann er aufgelöst werden?
Robert Charles Wilson widmet in seiner Geschichte viel Zeit den Charakteren sowie deren Entwicklung und lässt die eigentliche Science-Fiction oftmals in den Hintergrund treten. Dadurch verliert der Roman viel von der Trivialität, die phantastische Geschichten gerne mal auszeichnet. Definitiv ein Pluspunkt für den Autor. Dennoch oder vielleicht auch gerade deswegen krankt Spin an manchen Stellen an Spannungsarmut, was der Autor durch eine zeitliche Verschachtelung zu kaschieren versucht: Das aus chronologischer Sicht betrachtet letzte und spannendste Drittel wurde aufgesplittet und in einzelnen Kapitel in die eigentliche Geschichte eingeflochten. Wilsons Bauerntrick funktioniert allerdings nur bedingt und so ist Spin nie langweilig, plätschert jedoch bisweilen vor sich hin. Erst gegen Ende und kurz bevor man den Roman enttäuscht zur Seite legen will, kommt noch einmal Fahrt auf: Entgegen jedweder Erwartung führt Wilson seine Geschichte gekonnt und mit sehr viel Tempo zu seinem Höhepunkt, löst die Fragezeichen des Lesers durchaus zufriedenstellend auf und schafft gleichzeitigt ein Szenario, welches sich hervorragend als Ausgangspunkt für weitere Geschichten eignet.
Aufgrund einiger inhaltlichen Längen kein Klassiker, aber ein absolut gelungener Science-Fiction Roman. Robert Charles Wilson ist dabei hoch anzurechnen, dass er sich – entgegen moderner Trends – den Hang zu überkandideltem, epischem Getue verkneift.
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