Avatar – World of StarCraft

Beitrag von chrisch 28 - Dezember - 2009

Nachdem Camerons neues Werk nun schon fast zwei Wochen lang im Kino ist und wir auch gerade Urlaub haben, wollten wir die Disc (Streifen isses ja nimmer) endlich selbst sehen. Und wir fanden alles bestätigt, was Phil im vorigen Post beschrieben hat – ein bis an die Grenzen vollgeladener Technik-Spielplatz unter einem Ethno- und Fantasy-SciFi-Quirl. Am besten geeignet für Popcorn zu mampfen, wir hatten leider keines.

War aber nicht so schlimm, denn unsere Zielsetzung beim Filmschauen war eine ganz andere als die Durchleuchtung des eindimensionalen Plots oder der wirklich superben 3D-Effekte. Ehrlicherweise werden wir uns an Avatar nämlich als Film erinnern, der wie kein zweiter bisher direkt auf Videospieler abgestimmt ist.

Um das zu sehen, muss man zugegeben nicht viel Kombinationsgabe mitbringen: es wurde bereits im Vorfeld über die Werbung posaunt, und wer’s verpennt hat, dem wurde es hier jetzt directement vor dem Kinofilm gesagt: Kauf das zeitgleich erscheinende Spiel und erlebe Pandora noch viel näher. Dieses Prinzip der Lizenzspiele ist nicht neu und beinahe so alt wie die Videospiel-Branche selbst, aber diesmal hatten wir das massive Gefühl, dass sich der Film in seiner Optik und sogar seiner Dramaturgie nach diversen Spielprinzipien richtet – und nicht umgekehrt! Das ist für uns gleichsam neu wie… was eigentlich? Bemitleidenswert? Seltsam?

Möglicherweise stimmt das gar nicht und wir interpretieren zu viel rein – wir kennen auch zugegeben das Spiel nicht (aber eben viele andere, und wir gehen Wetten darauf ein, dass das Pandora-Spiel als reines Mainstream-Produkt sich ebenfalls die Klischees dieser Branche halten wird). Möglicherweise treffen die gefundenen Punkte auch auf viele andere Filme zu, aber da ist seit dem Werberummel dieses Mißtrauen in unserem Hinterkopf, dass es wirklich so sein könnte – ein Film, entworfen, um als Spiel bestmöglich zu funktionieren.

Im Wesentlichen sind es die nun folgenden Dinge, die uns so stutzig machen:

1. Die Optik des Menschen-Außenposten und der Na’vi-Welt. Der erste Gedanke, der uns zu den Marines(!) kam, war: ‘Die sind ja wie die aus StarCraft’. Die Mechs, die Maschinengewehrtruppen und die Manie, alles aus reinem Metall zu bauen. Und die Sammelwut nach seltenen Kistallen/Erzen sowieso. Nur das Sumpfgas kam nicht im Film vor.

Dem gegenüber die spitzohrigen Elfen-Eingeborenen in einem Wald, in dem alles so extremst magisch-mystisch wie bunt ist und des Nachts übertrieben leuchtet – die Nachtelfen Warcrafts lassen grüßen. Beide haben übrigens auch die Verehrung der Bäume als Heiligtümer gemein und bilden eine reine Jägergesellschaft. Apropos:

2. Jagd, Kampf, Action sind die weitaus dominierenden Elemente Avatars, zumindest zu Beginn und vor allem zum Ende hin. Auch das wahrhaftig keine Neuerfindung, aber die Ausgestaltung und Anordung der einzelnen Passagen ist optimal, um daraus ein Spiel zu formen. Das fängt bei dem irrwitzigen Trainingsparcour der Klischee-Amazone Neytiri an. Danach kommt es immer wieder überaus extensiven Kletter- und Hüpfeinlagen, wenn das blaue Gespann über Äste, Wasserfälle und Luftinseln wuselt. Danach mal wieder Kampf bei der Flugdrachenzähmung und dann eine Runde Quidditch Um-Schwebefelsen-Fliegen. Allessamt gerne zelebrierte Geschicklichkeitsherausforderungen aus Videospielen, ebenso wie der riesige Dschungel-Endkampf.

3. Ach ja, der Dschungel. Auf Pandora ist jeder einzelne Schritt gefährlich, denn wahlweise sind da schießfreudige Imperialisten, absurd große und laute Dschungelbestien oder 100%ige bunt leuchtende Prachttierchen unterwegs. Ein Wald, wie geschaffen um XP zu sammeln und Grafikkarten auszureizen, aber eben auch eine reine RPG-Klischeesammlung.

4. Glasklar getrennte Fraktionen und deren simplifizierte Positionen sind ebenfalls keine neue Erscheinung, passen aber ebenfalls perfekt in ein massentaugliches Videospiel und unterstützen nebenbei hüben wie drüben den Actionansatz.

Zusammenfassend: Auch wir sehen den Avatar als Fortführung von Dune – Der Wüstenplanet und Der mit dem Wolf tanzt, allerdings in extrem zugenommener Verplattung. Bei Dune wurde zwar noch ein Echzeitstrategie-Titel nachgeschoben, aber Film und Buch hatten ein ganz anderes und gewichtigeres Kaliber. Bei beiden wäre jedenfalls dieses ernst gemeinte Plakat nicht möglich gewesen – wir finden es aber bezeichnend für den Avatar.

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Ein Kommentar zu “Avatar – World of StarCraft”

  1. Ricardo sagt:

    Besser hätte ich es nicht beschreiben können….;-)

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