Filmkritik: Zeiten des Aufruhrs

Beitrag von phil 14 - Februar - 2010

Zeiten des Aufruhrs ist eine Literaturverfilmung des amerikanischen Schriftstellers Richard Yates (Orirginaltitel: Revolutionary Road) und thematisiert anhand der Beziehung eines ambitionierten, aber dennoch typischen amerikanischen Vorstadt-Ehepaares, die Träume und Sehnsüchte vieler Menschen in den 50er und 60er Jahren. Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Ehepaar Frank und April Wheeler (Leonardo DiCaprio und Kate Winslet). Frank, ein Mensch der nie herausfinden konnte, was er eigentlich mit seinem Leben anfangen will, arbeitet in einem Job, den er nicht ausstehen kann. April besuchte vormals eine Schauspielschule, ist allerdings nur mit mäßigem Talent gesegnet und findet sich irgendwann in der Rolle der Hausfrau und Mutter wieder. Beide Seiten verbindet eine tiefe Unzufriedenheit mit sich, dem Partner und dem Leben, die sich abwechselnd in Liebe, Hass, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit manifestiert. Doch dann fassen beide den Plan, ihr Leben in der amerikanischen Vorstadt aufzugeben und in Paris ein neues Leben zu beginnen. Der hoffnungsvolle Plan wird allerdings schon bald immer wieder hart auf die Probe gestellt.

Es ist wohl kein Zufall, dass mit Sam Mendes jemand Regie führte, der bereits mit American Beauty das Leben in den amerikanischen Vorstädten und dessen trügerische, äußere Idylle der Gesellschaft sezierte. Zeiten des Aufruhrs schlägt in eine ähnliche Kerbe. Der Zuschauer erhält einen voyeuristischen Blick auf das emotional pendelnde Verhältnis zwischen Frank und April, ohne jedoch wirklich in die Gefühlswelt der Protagonisten einzutauchen. Mendes erlaubt meist nur einen sehr distanzierten Blick auf die Geschehnisse und verbietet damit eine zu große Identifikation mit einer der beiden Parteien. Auf der Grundlage der bislang unerfüllten Wünsche, Träume und Sehnsüchte reibt sich das Ehepaar aneinander auf, findet zwischendurch wieder zueinander, nur um letztlich an sich und aneinander zu scheitern.

Die beiden Kinder des Ehepaares bleiben fast vollständig außen vor. Lediglich in einigen wenigen harmonischen Szenen erlaubt Mendes einen kurzen Blick auf die brüchige Fassade der Beziehung. In diesen Momenten sind auch die Kinder präsent. Doch sie werden nie mit Namen genannt. Ihre Gesichter sind nie zu sehen. Passenderweise wird das einzige Bild, welches dem Zuschauer von einer möglichen intakten Familie im Gedächtnis bleibt, durch die Strahlen eines Rasensprengers verschleiert. Kaum verschlechtert sich die Atmosphäre in der Beziehung der Wheelers treten die Kinder wieder vollständig in den Hintergrund und werden damit quasi nicht-existent. Der Zuschauer bleibt damit immer auf das Verhältnis zwischen Frank und April fokussiert. Die obligatorische, emotionale Problematik, die sich auch für die Kinder aus der Krise ihrer Eltern ergeben muss, wird von Mendes konsequent ausgeklammert.

Dass diese Beziehung kaum zu retten ist, zeigen die wenigen Feuerpausen in den Grabenkämpfen. Kaum sehen sich Frank und April in ihrem Plan Amerika zu verlassen vereint, müssen sich sich mit der ablehnenden Geisteshaltung ihrer Mitmenschen auseinander setzen. Der geplante Ausstieg passt so gar nicht in den American Way of Life und zu dem konservativen Weltbild Amerikas in den 50ern. Bezeichnenderweise hat lediglich der als verrückt diagnostizierte Sohn ihrer Vermieterin Verständnis für den persönlichen und gesellschaftlichen Ausbruchsversuch des Ehepaares. Doch all die guten Pläne und Vorsätze können nicht fruchten. Die äußeren Umstände bestehend aus gesellschaftlichen und familiären Verpflichtungen, sowie monetären Versuchungen wiegen zu stark, als dass die Hoffnungen und Wünsche in Erfüllung gehen können.

Mit Zeiten des Aufruhrs erschafft Sam Mendes ein ambitioniertes Schauspiel, welches einen sehr kritischen Blick hinter die Kulissen der Vorstadtidylle der Vereinigten Staaten in den 50ern erlaubt. In diesem Zusammenhang ist der Film dem oscarprämierten American Beauty wesentlich näher, als es vielleicht anfänglich den Anschein zu haben scheint. Die fast vollständige Reduktion auf die beiden ebenfalls oscarreif agierenden Hauptdarsteller zollt von großem Respekt vor der Romanvorlage. Der Film ist dadurch in vielerlei Hinsicht weniger zugänglich als beispielsweise American Beauty, aber nicht weniger gehaltvoll.

Rating: ★★★★☆

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