Filmkritik: Sherlock Holmes

Beitrag von phil 17 - Februar - 2010

Guy Ritchie hat im Laufe seiner Karriere als Filmregisseur genau zwei Film gedreht. Auf der einen Seite der von Zuschauern und Kritikern als indiskutabel bezeichnete Madonna-Film Stürmische Liebe – Swept Away und auf der anderen Seite eine als Kultfilm titulierte Thriller-Komödie im Gangstermilieu mit dem Namen Bube, Dame, König GrAs. Alle nachfolgenden Filme (Snatch – Schweine und Diamanten, Revolver, Rock N Rolla) folgen letztlich der gleichen Erzählstrukur und bieten lediglich Varianten des Konzepts von Bube, Dame, König, GrAs. Bezeichnend für diese Filme ist ein Übermaß an möglichst skurrilen Charakteren und Ideen, kombiniert mit brititschem Rüpel-Charme und Hau-Drauf-Brutalität. Guy Ritchie vermittelt ein fatalistisches Weltbild und trifft mit dieser Kombination punktgenau den Nerv vieler Kritiker und vor allem den des Publikums. Dennoch bleibt festzuhalten, dass Ritchie sich außerhalb seiner eigens geschaffenen Genre-Grenzen erstmal beweisen muss. Mit Sherlock Holmes hat er erstmals die Möglichkeit dazu.

Sherlock Holmes ist den meisten Kinozuschauern ein Begriff, doch ein wirklich tiefgreifendes Bild der komplexen Romanfigur von Sir Arthur Conan Doyle fehlt dem Großteil des Publikums, liegt doch die letzte bekannte Kino- oder Serien-Adaption schon viele Jahre zurück. Sherlock Holmes ist für viele nur noch eine Popfigur. Als einziges bekanntes Merkmal bleibt der analytische Scharfsinn im Gedächtnis. Auf diese Weise kann Ritchie die Roman-Vorlage und vor allem den Charakter seiner Protagonisten nach belieben an die heutige Zeit und vor allem seinen persönlichen Stil anpassen.

Ritchie inszeniert seine Adaption als nahezu klassischen Buddy-Movie im Stile von Lethal Weapon oder Bad Boys. Action-Szenen und die fast schon obligatorische Rüpelhaftigkeit stehen im Vordergrund. Die forensischen Fähigkeiten Holmes (Robert Downey Jr.) treten erst gegen Ende richtig in den Vordergrund. Holmes und Watson (Jude Law) agieren als beherzte Schläger mit viel Nonchalance. Die aristokratische Attitüde, wie sie beispielsweise in der bekanntesten Serien-Version mit Jeremy Brett (1984 – 1994) genüßlich zelebriert wurde, fehlt vollständig. Ebenso wie die sozialen Unzulänglichkeiten Holmes, die von Ritchie zwar angedeutet, letztlich aber nicht werkgetreu interpretiert wurden. Die grundlegenden Charakterzüge bleiben jedoch weiterhin erkennbar, auch wenn sie oftmals nur angedeutet oder karikiert werden.

Sinnbildlich für die Änderungen stehen die neuen Kampfesfertigkeiten der Hauptcharaktere. Auf amüsante Art und Weise versucht Guy Ritchie bereits zu Beginn des Films diese wahrscheinlich schwerwiegendste Änderung sinnvoll in die Charakterstruktur der Protagonisten einzubetten, indem er sie in der analytischen Fähigkeit Holmes begründet sieht. Das wirkt im ersten Moment lachhaft und versperrt vielen Fans der Originalwerke und bisherigen Film-Adaptionen den Zugang, funktioniert jedoch im Rahmen des Films sehr gut. Wer sich darauf nicht einlassen kann oder will wird von Sherlock Holmes auch in der Folge enttäuscht sein. Für alle anderen ist es ein amüsanter Buddy-Movie.

Rating: ★★★☆☆

Share
Einem externen Dienst hinzufügen:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • email
  • LinkArena
  • LinkedIn
  • Live
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • MySpace
  • Print
  • Reddit
  • Slashdot
  • StumbleUpon
  • Technorati
  • Tumblr
  • Wikio
  • Yigg

3 Kommentare zu “Filmkritik: Sherlock Holmes”

  1. Lordy sagt:

    Ich persönlich muss sagen, dass ich es interessant fand, dass hier von dem Original abgerückt wurde und bestimmte Dinge neu interpretiert wurden. Da der Film mit einem Anlass für eine Fortsetzung endet kann man gespannt sein, ob, wenn diese denn kommt, sich die Charaktere vertiefen lassen und wie das von Statten geht. Insgesamt gesehen war er durchaus interessant, wenn auch anders. Wobei das der Reiz war. Ein Wiederkäuen des “Bekannten” wäre der falsche Weg. Auch wenn man sich damit von dem Original weiter entfernen musste. Ich würde sagen, dass das Anschauen des Films auf jeden Fall keine Zeit- und Geldverschwendung darstellt.

  2. chrisch sagt:

    Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mich der Trailer im Kino sofort abgeschreckt hat, weil er komplett so wirkte wie ein sinnentleertes Action-Spektakel und ich eben noch Jeremy Brett im Hinterkopf hatte. Von daher bin ich wohl, wie Phil korrekt sagte, befangen in meiner Vorstellung der Figur, und ich habe auch befürchtet, dass da nur der große Name für ein halbgares Marketing verwendet wird. Statt sich ewig weit von einem Original zu entfernen, kann man immerhin auch komplett was Neues schaffen – das fände ich ehrlicher.

    Aber wer weiß, vielleicht gefällt der Film mir ja mal soch zu drei, vier Bier auf DVD.

  3. phil sagt:

    er macht auf jeden fall spass, wenn man sich von der exponierten darstellung jeremy bretts lösen kann. :)

Schreibe einen Kommentar

Anzeigen