Um einen Oscar zu bekommen, bedarf es einer gewissen Reputation sowie einer tragischen Rollen in einem Biopic oder der Darstellung eines körperlich oder geistig behinderten Charakters. So behaupten zumindest Zyniker. Das ist natürlich maßlos übertrieben. Einen wahren Kern hat diese These dennoch. Da passt es augenscheinlich ins Bild, dass Jeff Bridges für seine Rolle in Crazy Heart endlich den begehrten Oscar als Bester Hauptdarsteller in Empfang nehmen durfte. Doch auch wenn Scott Coopers Regiedebüt strukturell und inhaltlich der Verfilmung einer Biographie gleicht, handelt es sich hierbei lediglich um die Verfilmung des gleichnamigen Romans über den fiktiven Country-Musiker Bad Blake.
Die einfache Struktur des Drehbuchs ist in erster Linie darauf ausgelegt, Jeff Bridges Darstellung zu exponieren. Als alternder und abgehalfterter Musiker mit Alkoholproblemen lernt Bad Blake die 20 Jahre jüngere Journalistin Jean (Maggie Gyllenhaal) kennen. Die daraus resultierende Beziehung gibt beiden die Möglichkeit eines Neuanfangs. Die alleinerziehende Jean sieht im väterlichen Verhalten Blakes die Möglichkeit, ihrem Sohn eine intaktes Familienleben zu schaffen. Blake selbst möchte seine Verfehlungen als Vater aus einer früheren Ehe wiedergutmachen und kämpft so unbewusst um eine Absolution, die ihm letztlich niemand geben kann. Dabei befindet er sich in einem immer währenden Konflikt mit seinem eigenen Dämonen. Vornehmlich dem Alkohol.
Jeff Bridges spielt seinen selbstzerstörerischen Charakter außerordentlich lässig und mit einem großen Hang zum körperlichen und seelischen Exhibitionismus. Der gewonnene Academy Award ist damit gleichermaßen nachvollziehbar und gerechtfertigt. Dem Film als Gesamtkunstwerk mangelt es dennoch an der entsprechenden Durchschlagskraft. Das liegt in erster Linie an der in weiten Strecken zu großen Simplifizierung der Geschichte. Und auch wenn Crazy Heart vor allem von Bridges Darstellung und dem sehr gut herausgearbeiteten Country-Flair lebt, so geht ihm dennoch mit zunehmender Dauer die Luft aus. Auf der Grundlage des schwachen Drehbuchs kulminiert der Film letztlich in einem Klischee beladenen Finale das weder der Geschichte noch dem Film weiterhilft. Hier wäre viel mehr möglich gewesen.
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