Risen: Chief Tyrol räumt auf

Beitrag von chrisch 14 - April - 2011

Es war mal wieder Zeit, ein gereiftes Spielchen zu kaufen – ein, zwei Jährchen und damit auf dem aktuellen PC reibungslos zockbar – und zu begutachten. Diesmal ist es Risen, der von der ergebenen Fangemeinde seinerseits sehnlichst erwartet. Und wir können verstehen, warum das so war.

Worum geht’s? Ja, das ist es ja gerade: um genau dasselbe wie in allen Gothic-Vorgängern auch! Der namenlose Spieler ohne Vorgeschichte wird in die begrenzte Spielwelt geworfen (diesmal keine Gefangenenkolonie unter einer Energiebarriere, sondern eine Insel, aber auch nicht Khorinis). Dort wird er erstmal von allem Möglichem verdroschen, wenn er auch nur eine Winzigkeit von den Hauptpfaden abweicht. Im Verlauf der Geschichte wird er sich einer der drei Fraktionen auf der Insel anschließen (Altes Lager / Neues Lager / Sumpflager… halt, natürlich Paladine / Banditen / Magier… ach was, natürlich Inquisition / Gesetzlose / Magier). Und er wird sich zum Steigern seiner Attribute Lehrmeister und Gold fleißig zusammensuchen müssen. Und mächtig stolz sein, wenn ihn die simplen Kobolde mit ihren Knüppeln nichts mehr anhaben können. In Risen erkämpft man sich seine Bewegungsfreiheit buchstäblich.

Solchen Nostalgikern und Fans der ersten Stunde wie uns wird das alles reichlich bekannt vorkommen. Und auch der konsequente Mangel an Komfort ist eigentlich schon Markenzeichen, kein anderer Titel traute sich 2009 wie heute noch ohne Radarkarte, Questmarker und detaillierten Questlog aus der DVD-Hülle! Nur letzterer ist in rudimentärer Weise enthalten, Questmarker gibt es immerhin auch, wenn auch in den Karten versteckt. Desweiteren wehe dem, der sich nach einer Reisefunktion sehnt oder nach einer Highlighting-Taste für umherliegendes Aufsammelsurium.
Nein, in Risen plant man seine Quests, um nicht unzählige Male hin- und herzulaufen, hat Heiltränke statt einer Autoregeneration, und wird von den NSCs angemessen vermöbelt, wenn man ihre Sachen klaut. Und man lädt sehr oft neu, wenn einer der Kämpfe mal wieder im Fiasko geendet hat. Bei Risen liegt das übrigens nicht mehr primär am Kampfsystem: im Gegensatz zum grausigen Gegenstück in Gothic 3 ist es (größtenteils) fair, aber sehr hart. Will heißen, es gibt zuverlässige Strategien, wie man den Viechern beikommen kann, und nicht mehr solche unliebsamen Dinge wie die Stakkato-Wildschweine. Und blocken funktioniert neuerdings auch gegen Tiere.

Neben dem Kampfsystem gibt es auch kleine und schöne Verbesserungen an der Engine, um die Landschaften etwas schöner rauszuputzen. Und den nach wie vor etwas seltsamen Sprüngen der Hauptfigur haben die Macher gottlob den Kniff gespendet, sich andstandlos an Mauern oder Gesimsen hochziehen zu können, statt wie ein gedopter Affe umherspringen zu müssen. Aber um ehrlich zu sein, merkt man das Alter der Engine deutlich, gerade in den Bereichen, in denen sie schon immer schwach war, nämlich den Figuren und deren nicht vorhandene Mimik. Risen und Mass Effect bilden in dieser Hinsicht wohl die exakten Gegenpole.
Und auch die Welt von Risen ist in ihrem Konzept absolut stehen geblieben. Keine Kinder und Alten wie beim Witcher, ein deutlich höherer Männeranteil, die Frauen sehr stereotyp und ausnahmlos hübsch und bauchfrei. Sogar beim Straßenkehren! Von allen Aspekten haben wir diesen nicht vermisst, hier hätte die Reihe mal mit der Zeit gehen können.

Und daher als Fazit: fast wie früher. Es wird geflucht, was das Zeug hält, dafür gibt es kein Blut – absolut untauglich für den amerikanischen Markt. Und die Musik des Herrn Rosenkranz macht wie immer sehr viel Spaß, was bei der Lauferei auch so sein muss. Risen braucht schlicht keine Innovation oder High-End-Grafik, weil es nach wie vor herrlich einzigartig ist mit seinen Ecken und Kanten. Man muss es mögen oder meiden – und wir mögen es sehr, Weihnachten 2011 sind wir beim Nachfolger gewiß wieder dabei.

Rating: ★★★★☆

Ach ja, fast vergessen, den Titel zu begründen: unserer Meinung nach sehen sich der Risen-Held und der Chief aus Battlestar Galactica verdächtig ähnlich. Kein Wunder, dass man im Spiel immer wieder neu laden und so leveln kann!

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