Archiv für ‘Philosophie’ Kategorie

Filmkritik: Surrogates

Beitrag von chrisch 1 - Februar - 2010

Filmtechnisch ist im Januar hierzulande etwas Außergewöhnliches passiert: es kamen zwei Filme ziemlich zeitgleich ins Kino, welche sich dieselbe Grund-Thematik teilen, sie aber auf zwei völlig unterschiedliche Weise angehen. Der erste gezeigte Film war Gamer, der zweite Surrogates. Auf Surrogates hatten wir zugegeben schon ein wenig gelauert, seit wir letzten Sommer im Kino die Vorschau gesehen hatten, aber da es kein großer Blockbuster war, kam die traditionelle Filmstartverschiebung von drei oder mehr Monaten dazwischen.

Nun hatten wir wegen eben dieses damaligen lautstarken Trailers befürchtet, dass Surrogates ein arges Action-Spektakel und damit recht überflüssig sein würde, denn wer bräuchte ehrlicherweise diesen Film noch, wenn bereits Gamer läuft? Erfreulicherweise ist er das ganz und gar nicht und schlägt einen deutlich andere Richtung ein.

Worum geht’s? Auch hier wird eine nicht allzuferne Zukunft beschrieben, in der die Menschheit eine künstliche Parallelwelt in völlig neuem Ausmaß erschaffen hat. Allerdings sind die Avatare – als die titelgebenden Surrogates bezeichnet – clever konstruierte Roboter, die von ihrem Benutzer bequem vom sicher abgeschotteten Stem Chair aus gesteuert werden können. Ursprünglich als hehre Protesen und Hilfskonstrukte für Behinderte gedacht, sind diese Surrogates inzwischen dank extensiver Vermarktung  quasi alles, vom Spielzeug über Statussymbol bis hin zur Kampfmaschine für heikle Militärmissionen, sie sind das soziale Herzstück des öffentlichen Lebens. Die Gesellschaft ist keine Dystopie, das Leben in ihr findet ebenso gewaltfrei wie künstlich statt; sie scheint sich an der Grenze zur Dekadenz zu bewegen, ohne sie jedoch zu überschreiten – noch.

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Klingonen-Propaganda

Beitrag von chrisch 30 - Oktober - 2009

Blognachbar Marco hat ein bemerkenswertes Video auf Youtube aufgeschreckt: ein klingonisches Propaganda-Video. Wir verstehen zwar kein Wort Klingonisch, aber allein die Bildsprache ist ausdrucksstark genug.

Wir finden diesen Spot interessant gemacht, weil er die originären Feindbilder klar aufzeigt, die damals in die Klingonen eingeflossen sind, als die StarTrek-Serie auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges entworfen wurde. Die kommunistischen Kinderchöre, das penetrante durchgehende Rot der Spots, der Propaganda-Plakat-Stil der Zeichnungen, die Militärfixierung und so weiter sind wirklich treffend inszeniert. Und das 60er-Jahre-Testbild zu Beginn ist auch so ein stilistisches Mittel, das gerne eingesetzt wird, um an die politische Einstellung dieser Zeit zu erinnern. Zuletzt gesehen bei der Fallout-Reihe.

Die große Trickkiste der Erzählkunst

Beitrag von chrisch 2 - August - 2009

Wer unseren Blog schon ein Weilchen verfolgt oder darin herumstöbert, wird zweifellos erkennen, das wir Untote eine massive Vorliebe für allerlei fiktionale Erzählung in Bild und Schrift haben, und dass dies auch für deren binärischen und/oder spielerischen Derivate wie Viedospiele/RGPs gilt. Die Zeit, die wir schon in Diskussion über wiederkehrende Muster und Konventionen gesteckt haben, können wir mittlerweile schon gar nicht mehr messen.

Und aus diesem Grund haben Gleichgesinnte im Netz die Seite der Television Tropes eingerichtet. Dahinter verbirgt sich ein erheiterndes Wiki, dass sich eben ausschliesslich mit wiederkehrenden Erzählungskonventionen in Filmen, Bücher, Rollenspielen und vielem mehr befasst. Und zwar durchaus ein wenig ironisch, so wie es das Munchkin-Kartenspiel tut, das wir ebenfalls für seinen Humor verehren.

Gravitationskonstante in Raumopern

Beitrag von chrisch 24 - Mai - 2009

Überleitend vom vorigen Artikel über den neuesten Star Trek-Film ist uns was aufgefallen: der Streifen lässt sich zwar unter dem Begriff Space Opera einsortieren, aber: habt ihr bemerkt, wie wenig Space darin eigentlich vorkommt? Was wir damit meinen, ist, dass der Film entweder auf der Erde bzw. Vulkan spielt, oder aber in geräumigen Schiffen, die eher an futuristische Seekreuzer erinnern – inklusive der Schwerkraft. Im Falle von Star Trek ist das Schiffsinnere sogar durchgehend gestylt; die Nostromo z.B. wirkte wie eine ins All geschossene Fabrikanlage, daher war dort die Abstraktion zur Realität beispielsweise geringer. Aber das nur nebenbei.

Alternatives Lesen

Beitrag von chrisch 10 - Mai - 2009

Mit dem stetig zunehmenden Alter müssen wir feststellen, dass man immer seltener in die Lage gerät, durch die Buchhandlung zu schlendern und ein Werk zu sehen, das sofort interessant ist. Diesmal geschehen, als das Cover doch direkt die Kernfrage unzähliger Gedankenexperimente trägt: “Was wäre geschehen, wenn?”.

Was wäre geschehen, wenn...

Also dieses Motiv zieht bei uns ja immer. Man bedenke, dass sich aus diesem Ansatz das komplette fiktionale Genre der Romane und Filme von Alternativhistorien herleitet. Oder nebenbei bemerkt auch unsterblich Klassiker der elektronischen Unterhaltung wie die “Civilization”-Reihe. Allessamt Dinge, die dem Hang zu Faszinierendem entgegenkommen.

Warum waren wir mit Gothic 3 so unzufrieden?

Beitrag von chrisch 26 - April - 2009

Als wir kürzlich den guten Abe wieder durch die Oddworld gescheucht haben, ist uns noch ein weiteres Spiel aus unserem nicht kleinen Fundus in den Sinn gekommen, das wir damals ziemlich zwiespältig fanden: Gothic 3.

Jetzt muss man zur Vorgeschichte zu Gothic 3 – also den ersten beiden vorangegangenen Titeln 1 & 2 – sagen, dass sie unbestritten Meilensteine im Rollenspielgenre waren. Warum denn das? Die Grafik, bei diesem Genre immer der erste Aufhänger, war jeweils der neueste Stand der 3D-Technik und sorgte für gewaltiges Staunen; solche real wirkenden Witterungsverhältnisse hatte man bis 2001 höchstens bei Morrowind gesehen, das ungefähr zeitgleich rauskam. Es war von der Immersion her bis dahin einmalig. Aber, was viel unterschwelliger wirkte, war die dargestellte Welt: jede Ecke wirkte wie individuell entworfen, jede rumstehende Hütte konnte betreten werden (sogar ohne Ladebildschirm, was erstaunlich viel ausmacht), und das waren zwei Dinge, die in Morrowind und später Oblivion nie der Fall waren. Und auch die Bewohner standen nicht so sinnlos rum, sonden arbeiteten an irgendwas oder warfen sich gegenseitig Smalltalk-Sätze an den Kopf, so dass es im Vorbeilaufen tatsächlich so wirkte, als führten sie echte Gespräche. Da das Spiel aus Deutschland stammte, waren die Dialoge und Formulierungen keiner Übersetzung unterworfen, und das fiel auch deutlich auf. Über einen Marktplatz zu laufen, wirkte erstaunlich echt.

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Brauchen Computerspiele mehr Folterszenen?

Beitrag von phil 18 - Dezember - 2008

Im Gaming Blog des Wired Magazins haben wir einen interessanten und wie wir finden diskussionswürdigen Artikel zum Thema Folter in Videospielen gefunden, den wir an dieser Stelle näher beleuchten wollen. Nein, hier geht es nicht um die Ausübung von Gewalt als solcher, sondern vielmehr um das Anwenden von Gewalt zur Erzwingung von Informationen, wobei nicht die Tötung, dafür aber das verursachen von möglichst großen Schmerzen im Vordergrund steht.

So geschehen bei der Erweiterung The Wrath of the Lich King von World of Warcraft:

In the recent expansion pack Wrath of the Lich King, there’s a quest called “The Art of Persuasion” that requires you to extract information from a tied-up sorcerer. You do this by stinging him repeatedly with a creepy instrument called the “Neural Needler,” a device that “inflicts incredible pain to target, but does no lasting damage.” After a few minutes, the sorcerer coughs up the info.

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The Fountain – Review

Beitrag von chrisch 19 - Oktober - 2008

Ein treffendes Review über diesen Film zu schreiben ist schwierig. Zu dem Zeitpunkt, als ich auf diesen Film gleich von mehreren Seiten aufmerksam gemacht wurde, war er schon zwei Jahre alt und bereits vielfach gelobt. Und nachdem ich ihn zweinal gesehen habe, kann ich dem Lob größenteils zustimmen.

Nachbarrealität

Beitrag von chrisch 26 - Juli - 2008

Da es thematisch so schön passt: wie würde die Welt heute aussehen, wenn einige alternative Erfindungen sich durchgesetzt hätten und zum heutigen Alltag gehörten (ähnlich der beliebten Was-wäre-wenn-Maschine aus Futurama) ?

Vielleicht gabe es den Robogolfer, der Neulingen beim Erlernen des perfekten Schwungs hülfe. Er möchte sogar letztendlich gehetzten Zeitgenossen das Golfspielen ganz abnehmen – Douglas Adam’s “Elektrischer Mönch” lässt grüßen, während Gruppen solcher Eisengestelle über das Grün wackeln und sich frohgemut grüßen.

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Die gewonnen Zeit ließe sich dann eventuell einsetzen, um mit der Familie den langersehnten Ausflug anzutreten. Und weil man als geschäftiger und aufgeschlossener Mensch der Moderne effizient plant, können dann gleichzeitig Näharbeiten erledigt werden.

Alice im Wunderland in der Gegenwart

Beitrag von phil 24 - Juli - 2008

Alice im Wunderland lässt sich immer noch wunderbar auf die heutige Zeit anwenden. Die Interpretation sei dem Leser überlassen:

“Nun, vielleicht haben Sie diese Erfahrung noch nicht gemacht”, sagte Alice, “aber wenn Sie sich einmal verpuppen – und das tun Sie ja eines Tages, wie Sie wissen – und danach zu einem Schmetterling werden, das wird doch gewiss auch etwas sonderbar sein, oder nicht?”

“Keineswegs”, sagte die Raupe.

“Nun, vielleicht empfinden Sie da anders”, sagte Alice, “ich weiß nur: Für mich wäre das sehr sonderbar.”

“Für dich!”, sagte die Raupe. “Wer bist denn du?

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